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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
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440 Die Juden in Rußland und Polen. mann ist kein Mörder*4). Auf die zweite Frage ,,Werdet ihr uns berauben?“ lautete die Antwort: ״Polska szlachta nie rabuje.“ (״Ein polnischer Edelmann ist kein Räuber“). Und man muß in der Tat zugeben, daß dies die Haltung des polnischen Adels den Juden gegenüber zu allen Zeiten gewesen ist. Aber diese Haltung darf uns nicht über die wahren Gefühle des polnischen Adels hinwegtäuschen. JDenn diese selben Edelleute der alten Zeit, denen die Sage einen Abscheu gegen alles, was grausam und gewalttätig ist, zuschreibt, waren die Ahnen der Polen der Neuzeit, die vor noch garnicht so langer Zeit auf den Straßen der Städte die Runde machten, um den Ausbruch von Pogromen zu verhüten, und die nur wenige Jahre später kein Bedenken trugen, die Juden durch eine Methode zu erdrosseln, die ebenso grausam war und weit tötlicher wirkte, dafür aber vollkommen einwandsfrei und ehrenhaft war — die Methode des wirtschaftlichen Boykotts. In Übereinstimmung mit dieser Charakteristik bewegt sich der Kampf der Schlachta gegen die Juden in ״legitimen'4 Grenzen und kleidet sich in die Gestalt parlamentarischer Gesetze, die auf ihren Landtagen zur Annahme gelangten. Bereits auf dem Sejm des Jahres 1347, während der Regierung Kasimirs des Großen, des aufrichtigen Beschützers der Juden, setzte die Schlachta eine Reihe von Anträgen durch, die ihre Geldgeschäfte beschränkten, und diese Beschränkungen wurden offiziell gerechtfertigt durch das ״verruchte Streben der Juden, die Wohlfahrt der Christen zu zerstören.4‘ Sowohl die Be- Schränkungen als auch die Begründung dafür, die letztere in einer noch beleidigenderen Form, wurden mit Hinzufügung neuer Schranken auf den nachfolgenden Landtagen wiederholt, — und diese Wiederholungen waren in Polen notwendig, wo Leben und Gesetze sich stets in den Haaren lagen. Das allgemeine Wiederaufflackern des Antisemitismus im sechzehnten Jahrhundert offenbarte sich auch in der Haltung des Adels. Hatte die Schlachta die Bürger politisch erdrosselt, so war sie nun gern bereit, ihnen hierfür eine Entschädigung zu gewähren, indem sie die wirtschaftliche Freiheit ihrer jtidi-

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