Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Bußland und Polen. 439 das Auftreten des Landadels und die Abwanderung der Juden aus den Städten in die Ländereien der Schlachta. Feindseligkeit der Schlachta. Der Kampf mit den Bürgern berührte den jüdischen Mittelstand, die Handelsleute und ’die Handwerker. Die Gegnerschaft der Schlachta richtete sich gegen die Oberschicht der Juden, gegen die Kapitalisten. Für die Mitglieder der Schlachta bildete der jüdische Kaufmann keinen Stein des Anstoßes, denn sie hatten gegen den Handel einen Widerwillen und gingen ihres Adelsranges verlustig, wenn sie es dahin brachten, ihren Widerwillen zu überwinden. Aber ob reich oder arm, sie waren immer in Geldverlegenheit und hatten viel mit dem jüdischen Geldverleiher zu tun, den sie um so mehr haßten, je weniger sie ihn entbehren konnten. Auch ging ihr Stolz nicht so weit, daß sie nicht gewünscht hätten, die hohen Gewinne einzustecken, die sie in die Taschen der jüdischen Steuerpächter fließen sahen, obwohl sie nichts von deren Gewandtheit oder Tatkraft besaßen. Und vor allem empfänden sie die gesellschaftliche Stellung dieser jüdischen Finanzmänner als einen Stich ins Herz, dieser Menschen, die oft die Finanzen des Seiches beherrschten und sich den Rang von Adligen anmaßten, und die sie mit einem dreifachen Hasse als Menschen von niedriger Herkunft, als Glieder einer verachteten Rasse und als Bekenner einer fluchbeladenen Religion haßten. Es gereicht der Schlachta zur hohen Ehre und ist zum größten Teil durch jene glückliche polnische Vorliebe für Außerlichkeiten verursacht, auf die hinzuweisen wir schon oben Gelegenheit hatten, daß ihre Gefühle niemals die Formen offener Gewalttätigkeit an מ ahmen. Eine alte Sage, die aller Wahrscheiniichkeit nach in einer späteren Zeit entstanden ist, erzählt von einer jüdischen Abordnung aus Deutschland, die im Anfang des neunten Jahrhunderts zu dem Gouverneur einer polnischen Provinz kam und ihn um Erlaubnis bat, sich auf polnischem Gebiete niederlassen zu dürfen. Auf ihre ängstliche Frage: ״Werdet ihr uns totschlagen? erhielten die Juden die Antwort: ״Polska szlachta nie morduje.“ (״Ein polnischer Edel-