Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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436 Die Juden in Rußland und Polen. Kreuzwegen aufgehangen. während der Leichnam des angeb־ liehen Märtyrers in der Bernhardiner Kirche des Ortes ausgestellt wurde und sich als eine einträgliche Einnahmequelle erwies. Wie man sieht, besah die Barche in Polen größere Geschäftstüchtigkeit als die große Masse der Bevölkerung. Im Jahre 1753 wurden in Shitomir elf Juden auf eine ähnliche Anklage hin bei lebendigem Leibe geschunden, während das Bild des angeblichen Opfers, mit Nägeln durchbohrt, allüberall im Lande verkauft wurde, um die Polen gegen die Juden zu entflammen. Die Angriffe der theologischen Studenten, das sogenannte ״ Schüler geläuf“, wurde jetzt zur ständigen Geissei in polnischen Städten, von der man sich nur durch die regelmäßige Zahlung einer Steuer an die theologischen Hochschulen des Ortes loskaufen konnte. Die Bürger, vom Zwang des Königtums befreit, gingen nun dazu über, ihre alte Rechnung mit den Juden zu begleichen. In manchen Städten zwang die Obrigkeit die Juden im Gegensatz zu ihren alten Vorrechten unter die Gerichtsbarkeit ihrer Gerichtshöfe. Sie wiesen den Juden besondere Stadtviertel an und beschränkten in jeder nur möglichen Weise ihre Freiheit in Handel und Handwerk. Als König Wladislaw IV. den Juden in Krakau im Juni 1642 die ausdrückliche Erlaubnis gewährt hatte, auswärtigen Handel zu treiben, wurde er durch den Widerspruch der Bürgerschaft gezwungen, sie zwei Monate später zu widerrufen. Diese friedfertigen Kampfesmittel wechselten mit Methoden von mehr gewalttätigem Charakter ab; denn judenfeindliche!Krawalle wurden jetzt eine regelmäßige Erscheinung, und sie wurden nicht mehr durch die Autorität einer herrschenden Macht gehemmt. Nur ein schwacher Lichtstrahl in diesem Dunkel der Pogrome kann in der Tatsache gefunden werden, daß die Juden nicht alle Zeit die willenlosen Opfer ihrer Peiniger waren. In Posen wenigstens brachten es die Juden im Jahre 1687 fertig, sich mit Waffen in den Händen drei aufeinanderfolgende Tage hindurch gegen die Aufrührer zu verteidigen. Was die Schlachta anbetrifft, so mißbilligte sie, ihren Überlieferungen getreu, in den auf den Sejms gefaßten Be-