Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Die Juden in Rußland und Polen. Niedergang der polnischen Judenheit nach dem Jahre 1572. Der zweite Zeitabschnitt der polnisch-jüdischen Geschichte beginnt mit dem Jahre 1572 und reicht bis zum Jahre 1772, in dem durch die erste Teilung Polens zum ersten Mal eine dichtgedrängte Masse Juden unter die Herrschaft Rußlands kam. Der Tod des letzten Jagellonen und die nachfolgende Umwandlung Polens in die unnatürliche Form einer republikanischen Monarchie besiegelte den Triumph der zentrifugalen Kräfte Polens. Mit dem Verlust der königlichen Autorität verloren die Juden ihren Hauptstützpunkt und wurden eine leichte Beute feindlich gesinnter Mächte. Zwar bestätigten die polnischen Könige, einschließlich selbst der antisemitischen Herrscher aus dem sächsischen Königsgeschlecht, auch weiter־ hin die alten jüdischen Freiheiten und fügten sogar noch neue hinzu. Aber es war kein vernünftiger Grund einzusehen, weshalb ihre Stimme in Dingen, die die Juden betrafen, leichter Gehör hätte finden sollen, als dies in allgemeinen Angelegenheiten des Königreiches der Fall war. Der tapfere Sobieski, der Wien von der Belagerung der Türken befreite, ein aufrichtiger Freund der Juden, dessen Gestalt noch heute in sehnsüchtiger Erinnerung unter der jüdischen Bevölkerung Polens lebendig ist, wurde auf dem Landtage wegen seines Eintretens für die Juden mit rohen Beschimpfungen überschüttet. Der letzte König Polens, Stanislaw Poniatowski, wurde unter der Bedingung gewählt, daß er sich nicht beikommen lasse, den Juden Gunstbezeugungen zu erweisen. Allerdings gegen die leere Formalität der Bestätigung ihrer alten Freiheitsrechte hatte man nichts einzuwenden; aber das war eine Formalität, die für die Juden von geringem Wert war, obwohl sie für den König einen gewissen ״klangvollen“ Wert besaß. Zusammenfassend kann man sagen: Die Mächte der Finsternis, die wir in dem vorhergehenden Zeitabschnitt ihre Häupter furchtsam erheben sahen, stolzierten jetzt furchtlos im vollen Tageslicht einher. Die Kirche, die über ihre Feinde