Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. Die Juden in Rußland und Polen. Ein Ausblick aus der Vogelschau auf ihre Geschichte und Kultur. Von Prof. Israel Friedlä11der־New־Y0rk. (Fortsetzung). Das Ergebnis dieser Treibereien war die allmähliche Aus- Schaltung der Juden aus dem Kleinhandel, und ihre Beschränkung auf den Großhandel, der dafür mit allen Arten von! Einschränkungen eingeengt wurde. So wurde 1m Jahre 1515 den Juden von Lemberg auf Ersuchen des Gemeinderates vom Sigismund I. anbefohlen, ihre Handelstätigkeit auf den Verkauf von Tuch auf den Märkten zu beschränken, während ihnen wenige Jahre später (im Jahre 1521) überhaupt nur der Handel in Wachs. Fellen, Tuch und Vieh erlaubt wurde. Den Juden in Posen wurde im Jahre 1520 verboten, Gewölbe auf dem Marktplatze innezuhaben und Nahrungsmittel und andere Waren zu kaufen, bevor die Christen ihre Einkäufe beendet hätten. Schließlich waren die Juden gezwungen, da es sich her־ ausstellte, daß dieUnt er Stützung der Könige nichts gefruchtet hatte, Verhandlungen mit den städtischen Behörden selbst zu eröffnen/ und mit ihnen Vereinbarungen unter Bedingungen zu treffen* die, wie kaum betont werden braucht, vorteilhaft für dia Bürger waren. Der früheste Vertrag dieser Art wurde zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Magistrat von Kra^ kau im Jahre 1485 abgeschlossen. Solche Verträge wurden nun eine regelmäßige Erscheinung, die ihnen für eine Zeitlang einen modus vivendi sicherten. Trotz aller dieser Zurückdrängungen 'blieben die ,Juden während dieses 'Zeitäb- Schnittes noch im Wesentlichen Städtebewohner. Aber die Beschränkungen, die ihnen von den Bürgern auferlegt wurden, führten unvermeidlich dazu, sie aus den Städten auf das Land zu treiben, ein Streben, das in dem folgenden Zeitabschnitt einen großen Umfang annimmt und im weiteren Sinne seine Eigenart bestimmt. •?9