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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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422 Professor Kittels Obergutachten. Gottheit galt“, so fehlt für diese Behauptung jeder Beweis. In keinem Volk und zu keiner Zeit galt die Volkszählung an sich als Sünde. Bereits Mose, der Mann Gottes, hat das Volk zählen lassen und Weisung von Gott empfangen, was dabei zu beobachten sei: es solle nämlich jeder in das Heer Jv.’s Eintretende eine ״Deckung“ (כפר) leisten d. i. die Zahlung eines halben Sekels als Theruma (Hebe) für Jv; denn die Gemeinde kann Gott immer nur mittels einer ״Deckung“ nahen,, ״auf daß ihnen nicht eine Plage widerfahre, wenn sie gezählt werden“ (Exod. 30, 12). Auch die Lustratio bei den Hörnern nach geschehener Volkszählung oder die in Athen vor jeder Volksversammlung vorgenommenen ״Reinigungen“ des ganzen Volkes hatte nichts mit einem Glauben zu tun, daß solche Versammlungen eo ipso etwas den Göttern Mißfälliges seien. Man vergleiche den hierher gehörigen Passus im ״Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft“ von Iw. Müller (Bd. V, 3 ״Die griechischen Sakralaltertümer“ S. 108): ״Die Reinigungen eines ganzen Volkes werden in regelmäßigen Zwischenräumen vorgenommen, auch ohne daß eine besondere Veranlassung vorliegt, weil man nicht wissen kann, ob nicht durch irgend־ eine verborgene Missetat der Zorn der Gottheit erregt ist, und es vermeiden will, erst durch eine über das Land verhängte Seuche oder andere Heimsuchungen darauf aufmerksam gemacht zu werden.“ Bei den Römern gab’s eine Lustratio agrorum (Ambarvalia), classium, exercitus terrestris, pagorum usw., damit die Götter die Acker, die auslaufende Elotte, die ausrückende Armee usw. beglücken möchten und nicht ungnädig seien wegen irgendeiner den Teilnehmern anhaftenden offenbaren oder verborgenen Schuld. Dem ganzen Sühnungswesen der antiken Welt liegt eine tiefgehende Überzeugung von der Sündhaftigkeit des Menschen zu Grunde, dieselbe Überzeugung, welcher Salomo in seinem Tempelweihegebet in den Worten Ausdruck gab: ״Es ist kein Mensch, der nicht sündigt.“ (1 Kön. 8, 46). Weil die Sünde alles verunreinigt, der Mensch aber nur bei innerer Reinheit sich mit den Göttern in Verkehr setzen kann, darum mußte alles mit Sühnungen

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