Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Professor Kittels Obergutachten. Menschen, so seien sie verflucht vor Jv., daß sie mich jetzt vertreiben, daß ich mich nicht anschließen darf dem Erbteil Jv.’s, und sprechen: Gehe hin, diene fremden Göttern.“ Als Kern aus diesen Worten schält Prof. K. die Vorstellung heraus, daß, wer außerhalb des israelitischen Landes ist, draußen anderen Göttern dienen muß, und an dieser Vorstellung nimmt er Anstoß, weil sie eben besagt, daß draußen Jv.’s Herrschaft auf hört und die Nationalgötter der Nachbarn die Herren sind. ״So denken,“ sagt K., ״wenn auch vielleicht nicht David selbst — es ist möglich, daß er nur die Meinung seiner Gegner wiedergibt — so doch viele in Israel.“ Als ob nicht auch heute ״viele“ von Gott eine falsche Vorstellung hätten! Mit diesem ״möglich“ hat K. selbst seinem Beweis den Boden entzogen. Um so peinlicher wirkt es, daß er damit eben doch ״beweisen“ wollte, daß auch David’s Monotheismus nicht sicher war. Wie steht es aber in Wirklichkeit? Daß David draußen genötigt sein könnte, anderen Göttern zu dienen, und die grausame Bede seiner Feinde so sich erfüllen würde, das ist ihm allerdings ein Gedanke, der ihm in die Seele schneidet. Aber nicht im Sinne Prof. K.’s. Denn David, der Sänger der Allmacht und Allgegenwart Jv.’s (z. B. Ps. 24,1): ״Jv.’s ist die Erde und ihre Fülle, Erdkreis und die darauf wohnen“, d. h. Jv. hat kein begrenztes Herrschaftsgebiet, sein Majestätsrecht befaßt die Erde und was nur immer sich auf ihr und in ihr befindet (Delitzsch), wie könnte derselbe Mann ״vielleicht“ geglaubt haben, jenseit der Grenze des heiligen Landes sei die Macht Jv.’s zu Ende und beginne die Herrschaft der heidnischen Götter, von denen er (David) nun abhängig sein müsse? Diese Idee ist unmöglich. Es handelt sich vielmehr um den Kultus Jv.’s, der nur im heiligen Lande bei dem Jv. geweihten Heilig- Wir ergreifen gern diese Gelegenheit, um auch christliche Leser auf diese treffliche Schrift des Kabb. Kaatz aufmerksam zu machen, aus der m^hr zu lernen ist als aus so manchen gefeierten Schriften ״maßgeben־ der“ moderner protestantischer Theologen, denen die Fähigkeit verloren gegangen ist, an das Alte Testament mit ausgezogenen Schuhen heranzutreten.