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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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412 Talmudisches. entstehen wird,״ sich auf den zweiten Schüler beziehe, der gefragt hat: ״Warum darf man Trauben nur במהרה ernten, aber darf Oliven בטובלאה ernten?״ Seine Erklärung, glaubt er, finde ihre Unterstützung in Sabbat 17a, wo nämlich Hillel selbst sagte: Warum darf man Trauben nur בטהרה ernten, aber braucht Oliven nicht בטהרה zu ernten? Da der Ausdruck כלורה הוראה auf die Selbständigkeit des Schülers hinweist, so sei er, meint K., auf den zu beziehen, der nicht sklavisch die Worte seines Lehrers nachsprach, sondern sie, ohne ihren Sinn zu verändern, in einen kürzeren Ausdruck faßte. Diese Erklärung entspricht zwar der Ansicht der im Ran z. St. und bei Simon Duran (Rga. III. Nr. 78) angeführten Tosaphisten (vgl. auch כלהרס־״א z. St.), der jedoch, wie ich glaube, unsere Tosaphothredaktion, die diese Erklärung gänzlich ignoriert, aus folgendem Grunde nicht beizupflichten scheint. Jene Tosaphisten sahen sich nämlich zu ihrer von der allgemeinen Ansicht abweichenden Erklärung veranlaßt wegen der sonst entstehenden Frage: Vielleicht habe der zweite Schüler mit seiner kurzgefaßten Ausdrucksweise nur dem Prinzipe des R. Me'ir (Pesachim 3 b und Chulin 63 b) לעולם יעונה אדם לתלבלידו דרך קצרה treu bleiben wollen? Diese Frage wurde merkwürdigerweise Anfang des 14. Jahrhunderts von einer berühmten Frau, der Mutter des ersten königl. Oberrabbiners von Frankreich, R. Mathatia ben Joseph Provenci (über ihn vgl. Graetz, Gesch. Bd. 82. S. 8־ und 37), auf folgende Weise treffend beantwortet: Wie R. Me'ir ausdrücklich sagt, gilt die von ihm aulgestellte Regel nur für den Lehrer, der aus pädagogischen Gründen sich in seinem Lehrvortrage kurz zu fassen hat, damit der Schüler nicht ermüde und nicht verwirrt werde. Der Schüler hingegen darf und soll vor seinem Lehrer ausführlich sprechen und darf sich nicht auf Rosten einer schöneren Ausdrucksweise kurz fassen (vgl. Simon Duran a. a. O.). Zufolge dieser Erklärung ist anzunehmen, daß Hillel bzw. Rabbi (Pesachim 3b) gelehrt hat: בוצרין בטהרה ונלוסקין* בטובלאה, Trauben darf man nur בטהרה, Oliven aber auch בטוכלאה ernten. Der zweite Schüler hat nun in seiner Fragestellung ohne Rücksicht auf eine ästhetische Ausdrucksweise seinem Lehrer die Worte sklavisch nachgesprochen, während der erste Schüler eine schönere Sprache wählte und hiermit beredtes Zeugnis seiner Selbständigkeit an den Tag legte. Nach dieser Auffassung verliert, m. E., die von Herrn Dr. K. ver« suchte Beweisführung aus Sabbath 17a ihre Kraft, denn dort spricht nicht ein Lehrer zu seinem Schüler, sondern Hillel zu Schamai, der eine Meister zu seinem Genossen, auf die, wie gesagt, der Ausspruch des R. Me'ir keine Anwendung findet und die auf Kosten einer schöneren Aus drucks weise sich keiner Kürze befleißigen dürfen.

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