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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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Zur Bewertung des Arztes u. d. Medizin i. d. jüd. Auffassung. 401 des Patienten, ohne sich dabei recht bewußt zu werden, daß man damit ein Agens zugibt, dessen Beeinflussung nicht in der Macht des Arztes und des Menschen überhaupt steht. Die jüdische Anschauung nennt dieses Agens Gott. Die Gebete, die die Heilung eines Kranken erflehen sollen, bitten eben darum, daß die Faktoren, die nicht im Machtbereiche des Menschen liegen, — von anderer Seite als Natur und, sei es wie immer, bezeichnet — sich so gestalten mögen, daß die durch den Arzt in Angriff genommene Heilung einen günstigen Erfolg habe. (Vergl. Unna. ״Christian Science in Bd. 2 dieser Zeitschrift S. 553—558). In diesem Sinne bezeichnet auch die jüdische Anschauung den Arzt als den Sendboten Gottes שליה ד׳ und bleibt sich dabei bewußt, daß Gott selbst der höchste Arzt ist. Der Ramban bezeichnet in seinen Ausführungen als hauptsächliche Tätigkeit der Ärzte: Vorschriften in Bezug auf Essen und Trinken zu geben; er setzt also die Medizin gleich der Diätetik. Wir erwähnten schon, daß der Ramban selbst Arzt war, er lebte um die Mitte des 13. Jahrhunderts in Spanien, gehörte somit der arabischen Ärzteschule an. Nun ist es bekannt, daß die Hauptleistungen der Araber auf dem Gebiete der Diätetik und der Heilmittellehre lagen. Die Diätetik ist ja nichts anderes als die Lehre von der Gesunderhaltung des Körpers durch Mäßigkeit in Speise und Trank. Fast alle arabischen Ärzte — wie auch z. B. Maimonides — haben eine Makrobiotik geschrieben, d. h. eine Lehre von der langen Erhaltung des Lebens, in der eine Reihe von Vor- Schriften zur Gesunderhaltung des Körpers in allen seinen Funktionen gegeben wird. Die Chirurgie tritt in der arabischen Medizin ziemlich in den Hintergrund. Gerade weil der Ramban selbst Arzt war, so war für ihn der Begriff der Heilkunde in erster Reihe identisch mit dem der inneren Medizin, und zwar in dem angedeuteten Sinne. Nun finden wir aber, daß in den jüdischen Gesetzescodices die Vorschriften zur Gesunderhaltung des Körpers wie zur Vermeidung jeglicher Gefahr, die diesem drohen könnte, einen breiten Raum einnehmen. 27

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