Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292976--02266-2295533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
^OO Zur Bewertung des Arztes u. d. Medizin i. d. jüd. Auffassung. ist. bleibt dahingestellt. Anders verhält es sich bei äußeren Erkrankungen des Körpers, also in der Chirurgie. Wenn es uns gelungen ist, einen schlecht stehenden Knochenbruch kunstgerecht zur Heilung zu bringen, so können wir mit Sicherheit behaupten, hier handelt es sich um eine unmittelbare Folge unseres Eingreifens. Oder wenn wir einen Menschen mit schwerer Darmverschlingung operiert haben, so können wir auch hier sagen, ohne unser Eingreifen hätte der Darm nie wieder funktionieren können. Da es sich also in der Chirurgie im wesentliehen um mechanische Faktoren handelt, können wir bei ihr mit zwingender Logik von einem wirklichen Erfolg unseres eigenen Handelns sprechen. Der operative Eingriff kann daher auch nur bei mechanisch wirkenden Krankheiten am Platze sein, er muß bei Allgemeinerkrankungen des Körpers, die nicht mechanisch ihrer Natur nach sind, durch bessere Heilmethoden ersetzt werden. So behandelt die moderne Medizin z. B. die tuberkulösen Erkrankungen der Knochen und Gelenke, die früher nur operativ angegangen wurden, jetzt fast ausnahmslos mit physikalischen und anderen internen Heilmitteln, da hier eben eine nicht mechanisch wirkende Allgemeinerkrankung des Körpers vorliegt. Andrerseits wird bei der Blinddarmentzündung die Operation immer zurecht bestehen, da bei ihr außer der allgemeinen Infektion auch stets die mechanischen Ursachen, die in der Beschaffenheit des Wurmfortsatzes liegen, z. B. Kotstauung, Verengerungen, ihre Bedeutung behalten werden, (Vergl. M. Katzenstein, über Wandlungen in der Chirurgie. Therapie der Gegenwart. Dez. 1913). Es soll durch diese Ausführungen die Bedeutung der inneren Medizin in keiner Weise geschmälert werden, am allerwenigsten aber soll damit gesagt sein, daß der mechanische Faktor der einzig maßgebende in der Chirurgie sei. Jeder Chirurg weiß, daß die Operation noch so gut gelungen sein kann und daß nach menschlichem Ermessen für einen guten Ausgang alles so günstig wie möglich liegt, trotzdem stirbt der Patient plötzlich infolge eines unvorhergesehenen Ereignisses. Man spricht dann in der modernen Medizin so gern von der Natur