Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Bewertung des Arztes u. d. Medizin i. d. jüd. Auffassung. 399 verlassen darf* und daß es eine Anmaßung vor Gott wäre, sieb auf sein Verdienst zu verlassen, dem Eianken zur Pflicht gemacht, den Arzt hinzuzuziehen. Dazu kommt noch ein weiteres Moment. Es ist bekannt, welche Polle das aus Dt. IV 15 unter Variierung des ursprünglichen Sinnes erschlossene Gebot ״ ונשמרתם מאד לנפשותיכםihr sollt auf euer Leben wohl acht geben״ im jüdischen Pflichtenleben spielt. Nur ein gesunder Körper ist imstande, den Verpflichtungen des Peligionsgesetzes nachzukommen. Aus diesem Grunde muß der Mensch alles vermeiden, was die Gesunderhaltung seines Körpers irgendwie in Gefahr bringen könnte. Andererseits aber erwächst ihm auch aus dieser Vorschrift heraus die Pflicht, alles zu tun, was die geschädigte Gesundheit seines Körpers wiederherstellet) kann. Dazu gehört natürlich auch die Hinzuziehung des Arztes. Immerhin müssen wir nach diesen für die jüdische Anschauung — wie schon bemerkt — fast durchweg gültigen Gesichtspunkten erst recht versuchen, eine Erklärung für die scheinbar abweichende Auffassung des Kamban zu geben. Wir glauben, eine solche, wenigstens teilweise, in folgenden Überlegungen zu finden. Sowohl Xachmanides wie Ibn Esra unterscheiden zwischen inneren umd äußeren Erkrankungen des Körpers in ihren Erklärungen. Selbst die moderne Medizin wird zugeben müssen, daß im Wesen zwischen innerer und äußerer Medizin eine durchgreifende Verschiedenheit besteht, namentlich wenn wir die praktische Seite und die Methodik dieser beulen Disziplinen berücksichtigen. Die Haupttätigkeit des inneren Arztes liegt darin, daß er das gestörte Gleichgewicht des Organismus durch innerliche Eingabe von Arzneimittein wiederherzustellen sich bemüht. Wenn diese auch sehr oft den gewünschten Erfolg haben, so ist es uns doch in vielen Fällen in objektivem Sinne nicht möglich zu sagen, daß die Genesung des Kranken wirklich geradeswegs auf unser Eingreifen zurückzuführen ist. Wir können nur sagen, der Kranke ist nach der Einnahme einer Arznei gesund geworden. Ob diese nun auch wirklich die Ursache der Genesung gewesen