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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 11

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Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. 363 hatten. Es versteht sich von selbst, daß die Stadtvertretungen, die in überwiegender Mehrheit aus Christen bestanden, die Entscheidung in dem Sinne trafen, daß die Sonntagsruhe für alle Einwohner obligatorisch sei und daß sämtliche Geschäfte am Sonntag geschlossen werden müssen. Die Juden sahen sich nun vor die Wahl gestellt, den Sabbath zu verletzen oder zwei Tage in der Woche zu feiern. Trotzdem das zweite, zweimal in der Woche die Geschäfte schädigen zu müssen, für sie mit schwerem wirtschaftlichen Schaden verbunden war, haben sich doch sehr viele dazu entschlossen, soweit sie nicht zu einem Mittel Zuflucht nahmen, durch welches in Rußland stets viel zu erreichen war: Für eine gewisse Belohnung hat die Polizei ein Auge zugedrückt, wenn sie am Sonntag ein offenes jüdisches Geschäft sah. Es waren jedenfalls ganz unhaltbare Zustände, die auf diesem Gebiete herrschten. Die jüdischen nationalen Parteien haben deshalb in ihr Programm die Forderung aufgenommen, daß durch ein Reichsgesetz festgestellt werden müsse, daß die Fest- und Feiertage eines Volkes für das andere nicht obligatorisch seien. Auf diese Weise soll es den Juden ermöglicht werden, ihre eigenen Festtage zu feiern und die Geschäfte Sabbath anstatt Sonntag zu schließen. Soweit nun, was die jüdischen nationalen Forderungen auf kulturellem Gebiete anbetrifft. Aber nicht nur in kultureller, auch in wirtschaftlicher und ökonomischer Hinsicht bilden die Juden in Rußland einen besonderen Organismus, der sich von dem der anderen Völker scharf unterscheidet. Das fällt schon auf dem ersten Blick auf. So fehlt uns z. B. fast ganz die Bauernklasse, wie auch überhaupt das landwirtschafttreibende Element. Die Handelsklasse ist bei uns demgegenüber übermäßig stark entwickelt. Auch bei den freien Berufen beteiligen wir uns prozentuell in weit höherem Maße, als es unserer Bevölkerungszahl entspricht. Das sind ja allbekannte Tatsachen. Aber nicljt nur im sozialen. Aufbau ihres Volkskörpers unterscheiden sich die Juden von den sie umgebenden Völkern, auch innerhalb bestimmter

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