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Jeschurun · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. 361 Alles Vorhergesagte läßt sieh kurz in dem technischen Ausdruck der national-kulturellen Autonomie zusammenfassen, hinter welchem also ein ganz bestimmt umrissenes Programm steht. Eine national-kulturelle Autonomie bildet das Minimum der jüdischen Forderungen. In dieser Forderung sind sich alle jüdischen Parteien, ohne Ausnahme, einig. Eine kulturelle Autonomie ist aber nur ein Minimum, das überhaupt keiner Nation verwehrt werden kann. Es werden aber auch im jüdischen Lager Forderungen erhoben, die über die Grenzen einer kulturellen Autonomie hinausgehen. Auch diese Forderungen will ich hier nun begründen. Es gibt vor allem noch ein Gebiet des jüdischen öffentliehen Lebens, das noch gewissermaßen zum Bereich der kulturellen Autonomie gehört. Das ist das Gebiet des geltenden jüdischen Rechtes, namentlich des jüdischen Ehe- und Familienrechtes. Bekanntlich ist in Rußland die Trennung zwischen Staat und Kirche nicht vollzogen. Demnach sind in Rußland eine Eheschließung so wohl, wie auch eine Ehescheidung nur rein kirchliche Akte. Da hatte sich nun jede Religionsgemeinschaft nach ihren eigenen Gesetzen zu richten. So ist z. B. den Mohammedanern und den Heiden die Polygamie gesetzlich erlaubt, während es den anderen streng verboten ist. Die Juden können von dem Institute der Ehescheidung, dem Get, so oft Gebrauch machen wie ihre Religion es zuläßt. Bei den Griechisch-Orthodoxen dagegen ist eine Ehescheidung nur in ganz außerordentlichen Fällen möglich. Dieser Zustand war insofern allgemein zufriedenstellend, als er jedem Volke ermöglichte, nach seinen eigenen Gesetzen zu leben, und auch wir Juden hatten in dieser Hinsicht nichts zu wünschen. Nun drängt uns aber die ganze innerpolitische Lage Rußlands dazu, darauf zu bestehen, daß dort Staat und Kirche getrennt werden. Denn in einem Staate, wo diese Trennung nicht vollzogen ist, ist auch die Gleichstellung der Konfessionen nur eine illusorische und wird nie Wirklichkeit werden. Die Folge

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