Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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35° Zm Unterricht in der hebräischen Grammatik. disch vorgenommen sehen, so ist ja in Abraham, Tefilla Kezara, die ein Mittelglied zwischen Fibel und Gebetbuch sein will, ihm längst ein Vorläufer entstanden. Will er aber mehr, will er wirklich ein bis zwei Jahre Sprachunterricht statt Gebet- und Pentateuchunterricht, so müssen wir uns aus den oben ausgeführten Gründen gegen ihn wenden. Denn die beiden Jahre sind dem Gebetunterricht und dem Pentateuchunterricht verloren. Er vertröstet uns, daß dann die Kinder im dritten Jahre das Doppelte leisten werden. Solange wir nicht an einem vielgestaltigen Sehülermaterial diesen Erfolg nachprüfen können, glauben wir nicht daran. Zu zweifelhaften Experimenten sind mir aber die beiden ersten Unterrichtsjahre zu schade. Im übrigen, das ist ja der uralte Streit zwischen analytischer und synthetischer Methode, weniger gelehrt ausgedrückt: zwischen Chederunterricht und dem in unseren höheren Schulen. Alle neueren Unterrichtsmethoden im Sprachunterricht sind zu jenem Brauch im Cheder zurückgekehrt, mit der Lektüre zu beginnen und erst später aus der Lektüre heraus den Schüler zum Bewußtsein der grammatischen Regeln zu bringen. Und schon Mendelssohn, der doch wahrlieh ein berufener Beurteiler ist, hat es ausgesprochen: ״Ich bin der Meinung, daß man . . . beim Erlernen der Sprachen mit dem Gebrauche den Anfang und mit der Regel endigen muß“ (Morgenst. Vorher.). Wir wollen nicht entscheiden. Aber das eine steht fest: Beide erreichen nur etwas durch die Intensität des Unterrichts in Quantität und Qualität, d. h. durch die große Anzahl der Stunden, die zur Verfügung stehen und durch das angespannte Interesse, das in einem Falle durch das spezifisch religiöse Motiv, in der profanen Schule durch andere Motive geweckt und immer in gleicher Stärke aufrecht erhalten wird. Im Cheder Reformen einführen, d. h. bei den vielen Stunden, die täglich dem Hebräischen gewidmet werden, einen kleinen Bruchteil für hebräischen Sprachunterricht reservieren, dafür wäre ich sofort zu haben. Aber die wenigen Stunden, die bei uns dem Gebet- und Pentateuchunterricht reserviert sind, durch Sprachunterricht abzulösen, das erscheint uns bedenklich.