Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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348 Zum Unterriclit in der hebräischen Grammatik. Wir können sagen, daß unsere letzten Jahrgänge so gut geschult sind, daß sie jede Erklärung darauf hin nachzuprüfen vermögen, ob sie auch nach den Regeln der Grammatik haltbar ist. Die Besten erfreuen oft durch selbständige Erklärungen und beweisen einen guten Blick dafür, welche von den aus verschiedenen Kommentaren ihnen gebotene Exegese dem schlichten Wortlaut am meisten entspricht. Allerdings sie lernen nicht Hebräisch sprechen und schreiben. Aber wir fragen mit Recht, welches Gymnasium entläßt seine Abiturienten mit dieser Fähigkeit in den humanistischen Fächern. Wie dort das Ziel die formale Bildung, so ist es für uns das viel höhere, das Einswerden mit dem Geist der aus unseren heiligen Büchern spricht. Auch dies Ziel wird immer nur von einem Bruchteil erreicht werden, ganz in gleichem Maße, wie das von den Abiturienten der höheren Lehranstalten gilt. Denn daß auch hier nur eine Minderheit das eigentliche Ziel humanistischer Bildung erreicht, darüber dürfte doch kein Zweifel sein. Soviel um den Klagen des Verfassers, die man ja oft zu hören pflegt, über das geringe Ausmaß von Kenntnissen der Absolventen jüdischer Religionsschulen zu begegnen. Nebenbei sei bemerkt, daß wir es natürlich freudig begrüßen würden, wenn wir unsere Schüler auch zur Beherrschung des Hebräisehen in Rede und Schrift führen könnten, zumal in der heutigen Zeit, wo das Hebräische in einer kaum geahnten Renaissance wieder zu einer lebendigen Sprache geworden. Aber es ist nun einmal in den zugemessenen Stunden nicht Beides zugleich zu erreichen: die Aneignung eines modernen Idioms und die Vertrautheit mit der Sprache und vor allem dem Inhalt der Bibel. Man komme uns nicht mit den Erfolgen mancher in jüdisch-nationalen Kreisen veranstalteten Sprachkurse. Auch hier versagen viele nach dem ersten in Begeisterung unternommenen Anlauf. Was übrig bleibt und durch das Ziel geht, das ist die Auslese der Auslese, die nicht nur die Fähigkeit sondern auch den eisernen Fleiß und den unbeugsamen Willen mitbringt, alle Schwierigkeiten zu über-