Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-06-01 · Heft 6 (Juni 1917) · page 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 6 (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292975--02207-2295473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

342 Die Juden in Rußland und Polen. ein heftiger Pogrom, von dem berüchtigten päpstlichen Nuntius Capistrano in Szene gesetzt und geleitet,, in: der Hauptstadt Krakau wütete, der König Kasimir TV., selbst auf dem Schauplatz und legte, nachdem er dem Aufruhr Einhalt geboten, den Behörden der Stadt eine schwere Strafe im Betrage von dreißig Tausend Gulden auf. Noch charakteristischer ist die Handlungsweise Sigismund I., der im Jahre '1530, als in derselben Stadt ein Aufstand ,gegen die Juden ausbrach,, nicht nur ein Dekret erließ, das die Aufrührer mit Tod und Gütereinziehung bedrohte, sondern auch die Bürger von {Krar kau zwang, zehntausend Gulden als ein Pfand dafür niederzulegen, daß die öffentliche Ordnung nicht gestört werden würde. 1 Erfolgreicher bewährte sich der stillschweigende Kampf der Zurückdrängung. Die Juden bildeten in den Städten gemaß den königlichen Freibriefen einen Staat für sich; sie waren gesetzlich dem Verfahren der städtischen Gerichtshöfenicht unterstellt und der Gerichtsbarkeit der Woiwoden unterwarfen. Aber die Bürger brachten es im Laufe der Zeit dahin, ihr Recht, sich in den Städten niederzulassen und!dort Handel zu treiben, zu beschränken, Gewiß, de jure wurde ein Ghetto in Polen niemals anerkannt, aber de facto kam es nach und nach in Aufnahme. So ordnete im Jahre 1494, als in Krakau Feuer ausbrach, wobei das Eigentum der Jaden von dem Pöbel geplündert wurde, der König Johann Albrecht an, indem er augenscheinlich den Wünschen der Bürger nachgab, daß die Juden sich in der Vorstadt Kasimierz ansiedeln sollten, die seit dieser Zeit eine rein jüdisch«!- Stadt geblieben ist. Dieses Streben wurde gegen Ende dieses Zeitabschnittes! noch stärker unterstrichen, zum Teil wegen der Ausbreitung der Reformation und zum Teil wegen der anwachsenden Ein- Wanderung der Juden aus Böhmen und den angrenzenden. Ländern. Im Jahre 1532 wurden die Juden von Posen auf ihre alten Stadtviertel beschränkt, und die Zahl der Jüdischen Häuser wurde auf neunundvierzig begrenzt. In kleineren!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.