Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Die Juden in Bußland und Polen. zahlte den Beamten ihre Gehälter und den Gläubigern des Königs ihre Gelder aus. Die Glieder dieser jüdischen ״haute finance“, die ein typisches Element in der Zusammensetzung der polnischen Judenheit besonders der früheren Zeit bildet, erfreute sich auch der persönlichen Gunst und des Schutzes der Könige und betrachteten sich als Edelleute; ihre Lebensweise war auch die gleiche und in Litauen nannte man sie die ״Schlachta von Jerusalem“. Der Mittelstand der polnischen Judenheit war aus Kaufleuten, Klein- und Großhändlern zusammengesetzt, die inländischen und auswärtigen Handel trieben, ein Beruf, für den Jahrhunderte der Erfahrung und Gewöhnung den Juden zur Seite standen. Die niedrigste Klasse bestand schließlich aus Handwerkern, eine' Beschäftigung, die für das wirtschafte liehe Leben der polnischen Judenheit mehr und mehr charakteristisch wurde. Eifersucht der Bürger. In der Verfolgung dieser ihrer wirtschaftlichen Bestreu bungen mußten die Juden notwendigerweise mit den beiden polnischen Ständen, der Schlachta und den Bürgern zusamh menstoßen. Ich will das Ringen mit den letzteren zuerst besprechen, weil es die breiten Massen der Judenheit berührte und mit größerer Heftigkeit und Ausdauer geführt wurde, als der Kampf zwischen den Juden und der Schlachta. Die Interessen der Bürger und der Juden standen vom ersten Anbeginn an im Widerstreit miteinander. Beide waren von den früheren polnischen Königen ermutigt worden, in Polen einzuwandern und sich in den Städten anzusiedeln, und beide hatten sich auf den Handel und das Handwerk geworfen. überdies waren die Bürger weit ernsthaftere Gegner als die Polen; sie waren betriebsam, sie waren ausdauernd, und sie waren in ihren Ratsmannschaften, kaufmännischen Gilden und Handwerkerzünften gut organisiert und dazu fuhrten sie das Gift des germanischen Antisemitismus aus ihrer' Heimat ein.