Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Kittels Obergutachten. 333 gen und seinen Zorn gegen dich abwenden kannst. — Auf diese überaus ernste!Mahnung hat Saul kein Wort der Erwiderung. Er fragt den David nicht, welches das Opfer sei, das Gott gefallen, und dieser hat keine Gelegenheit ihm zu sagen: ״Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes und zerschlagenes Herz wird Gott nicht verachten. Wenn der König solch ein Opfer hätte bringen mögen, wenn er sich gedemütigt hätte vor Jv, es hätte ihm noch geholfen werden können. Aber nur für den Augenblick erkennt Saul seine Sünde. Seine Schlußworte an David (V. 25): ״Gesegnet bist du, mein Sohn David; du wirst, wie unternehmen, so auch hinausführen“, sind kühl; es tritt nicht etwa Friede, noch viel weniger Bekehrung bei Saul ein, vielmehr gehen ihre Wege auseinander: ״Und David ging seines Weges und Saul kehrte zurück an seinen Ort“. Der Eindruck, den David von. dieser seiner letzten Zusammenkunft (sie sehen einander im Leben nicht wieder) mitnahm, ist in den folgenden Worten (Kap. 27, 1) ausgedrückt: ״Und David sprach in seinem Herzen: ״Nun werde ich eines Tages weggerafft werden durch die Hand Sauls“. Die Mahnung, den Zorn Gottes zu versöhnen blieb unbeachtet. Saul war dem göttlichen Gerieht der Verstockung verfallen. Er ging seinem Untergang entgegen. Während nun Prof. K. dieser Geschichte das Ergebnis entnimmt, daß Jv nicht nach Gut und Böse fragt, sondern nach Opferduft und Gaben, also ein nur beschränkt sittlicher Gott sei, meinen wir, daß nach Davids Anschauung Jv gar sehr nach Gut und Böse fragt und es sehr ernst mit der Sünde nimmt und da, wo ein Mensch trotz vielfältigen Mahnungen von ihm abgefallen ist, das Gericht der Verstockung eintreten läßt. Weit entfernt, daß diese Geschichte ein Beweis für den erschreckenden Satz Prof. Kittels wäre, daß das Sittlichgute das Wesen Jv’s nicht restlos ausfülle, enthält sie vielmehr eine für alle Zeiten wichtige Anleitung, gewisse Zustände im Einzelwie im Völkerleben und die dabei waltende göttliche Kausalität zu erkennen. (Fortsetzung folgt) _