Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Buch, das noch zu schreiben ist. 291 mit den Worten: ״Und nun bin icb neugierig, was von all den schönen Dingen, die wir beide vorgeschlagen haben, in, sagen wir, fünf Jahren fertiggestellt ist.“ Soviel mir bekannt, ist diese rhetorische Frage so zu beantworten wie jede rhetorische Frage, mit nein. Es sind fünf Jahre verstrichen, seitdem jener Satz geschrieben wurde, es sind seither weitere drei Jahre verstrichen und geschehen ist noch nichts. Nun hat freilich das Judentum auf das Zustandekommen seiner Apologetik lange genug gewartet und kann, wenn es not tut, auch noch länger warten. Wer aber nicht warten kann und wer mit jedem Tage, da er länger warten muß, einen nicht wieder gut zu machenden Schaden an seiner Seele erleidet, das sind die vielen Jünglinge und Jungfrauen, die Männer und Frauen in unserer Mitte, die gerade auf diesem Gebiete der Belehrung in hohem Grade bedürfen und für sie auch emptänglich wären. Da sind vor allem die ־־־ religiösen Kreisen entstammenden — Zöglinge unserer höheren Schulen. Bald in diesem, bald in jenem Unterrichtsgegenstande stoßen sie auf vermeintliche Widersprüche zwischen dem, was sie seit ihrer frühesten Kindheit in Bibel und Religionsunterricht gehört haben und dem, was ihre Lehrer sie lehren. Der Fall ist nicht selten, daß der Religionslehrer allenfalls auffcauchende Fragen entweder in einer Weise beantwortet, die — nach unserem Sinne — mehr verdirbt als gutmacht, oder nicht zu beantworten weiß oder — gar nicht zuläßt. In den beiden letzten Fällen bleibt der Schüler jenen Widersprüchen gegenüber rat-[ und hilflos. Er wagt es vielleicht einmal — ich kenne solche Fälle — sich mit einer Frage an eine Autorität zu wenden, die ihm denn auch die gewünschte Auskunft erteilt; aber die Probleme häufen sich, er will nicht zu oft mit Fragen lästig fallen und bleibt mit seinen Zweifeln allein. Und da muß er schon ein wohl gesichertes Fundament an jüdischem Wissen sein eigen nennen und — vor allem — auch sehr viel echte ,.Jüdischkeit“ im Elternhause vor sich sehen, um 20*