Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Q2 Ein Buch, das noch zu schreiben ist. nicht an seiner אמוגה Schaden zu nehmen. — Er kommt an die Hochschule. Wohl ihm, wenn er hier Gelegenheit hat, eine Zahl gleichgesinnter Genossen anzutreffen! Im Verkehre mit ihnen, in regem Gedankenaustausch, nicht zum wenigsten auch durch gewisse feste Veranstaltungen, die sich in solchen Kreisen im Laufe der Jahre eingebürgert haben (Diskussionsabende, ״Fuxenunterrieht44) kann es ihm gelingen, seine Bedenken zu zerstreuen und die gestörte Harmonie in seinem Innern wieder herzustellen. Aber ״Vereine jüdischer Äkademiker44 gibt es nur in Deutschland und auch hier noch nicht in allen Universitätsstädten. Und so bleibt der Student sehr oft, da er dem segensreichen Einflüsse des Elternhauses entrückt ist, dem Verderblichen seiner ״wohlmeinenden44 Kollegen preisgegeben — ein Zustand der geistigen Vereinsamung, der so recht geeignet ist, den Fluch des חרב על חברים vor Augen zu führen. Ein anderes Bild! Das der Schule entwachsene Mädchen hat mit Mühe auf dem Lande einen sabbathfreien Posten gefunden. In ihren freien Stunden sucht sie sich nun selbständig fortzubilden. Wer gibt ihr einen verläßlichen Rat für die zu wählende Lektüre? Wer ist der ״Irrenden44 ein ״Führer4*? Wer hält sie von jener Sorte von Schriftstellern fern, die wissenschaftliche Hypothesen, welche von ihnen selbst nur halbverstanden und nicht zu Ende gedacht worden sind, als der Weisheit letzten Schluß ausgeben und so statt auf klärend nur zersetzend auf den jugendlichen Geist wirken? ״Ein Buch hat oft auf eine ganze Lebenszeit einen Menschen gebessert oder verdorben.‘4 sagt Herder. Und übrigens besteht gerade auf dem Gebiete der Lektüre, auch der guten, noch eine besondere Gefahr. Wer ein Werk zur Hand nimmt, das den Leser schon nach seinem Thema zu den angedeuteten Konflikten führen kann, der weiß von vorherein, wessen er sich zu versehen hat. Anders, wenn es sich um ein Werk allgemeinerer Natur handelt. Mit dem unendlich viel Wertvollen, das er da in sich aufnimmt, schleichen sich, wenn er nicht gerüstet ist. auch, ihm selbst unbewußt, manche falsche Vorstellungen