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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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IM■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■—■MM■ Die Juden, in Rußland und Polen. 283 Juden seinen Freibrief zu bewilligen. Man braucht diese letztere Tatsache nicht in Abrede zu stellen, denn der Haß gegen die Juden hat sich niemals auf die Jüdinnen erstreckt, und Kasimir der Große, der ein echter Pole war, war ein ganz besonders feiner Kenner weiblicher Schönheit. Aber es ist sicherlich weit mehr der Wahrheit entsprechend, wie Kasimir selbst wiederholentlich in demselben Freibrief versichert, daß die Juden erhalten wurden ״für unser eigenes Interesse und das Interesse unserer Finanzen.“ Es ist nicht zufällig, daß ein späterer König, Kasimir IV, als er die von seinen Vorgängern den Juden gewährten Vorrechte bestätigte und erweiterte, sich in so großer Bedrängnis befand, daß er genötigt war, die Garderobe und den Silberschmuck der Königin zu verpfänden. Und Sigismund II. erklärt mit einer Aufrichtigkeit, die man nicht immer bei den diplomatischen Polen antrifft, in einem Dekret aus dem Jahre 1539, daß die Juden, die auf den Besitzungen der Schlachta lebten und ihnen Steuern bezahlten, vollständig in der Gewalt ihrer adligen Gutsherren seien. ״ Gleichwohl fährt er fort, ״wünschen wir nicht, irgend etwas von dem Unrecht zu wissen, das diesen Juden zugefügt wird; denn diejenigen, die uns keine Vorteile bieten, haben kein Recht, auf unsern Schutz zu rechnen.“ Es ist jedoch eine ebenso unnütze aistrostlose Beschäftigung, zu tief zu schürfen, um sich in die Beweggründe menschlicher Handlungen zu versenken. Wenn wir auf die Geschichte der Juden Polens zurückblicken, können wir dankbar anerkennen daß, wenn auch nicht ihre Duldsamkeit, so doch der staatsmännische Geist der polnischen Könige, Polen zu einem Zufluchtshafen für die Juden gemacht hat, während der übrige Teil Europas und sogar der übrige Teil des polnischen Volkes sich die Hände zu reichen schienen zu dem gemeinsamen Streben, sie zu vernichten. Die zum Unterschiede von den Privilegien, die von Zeit zu Zeit einzelnen Juden gewährt wurden, sogenannten ״Generalprivilegien“ der polnischen Judenheit beruhen alle auf

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