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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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282 Die Juden in Rußland und Polen. Die königlichen Privilegien. Die Einwanderung der Juden nach Polen war, wie wir eben gesehen haben, die Folge des negativen Einflusses der Verfolgungen der Juden in den Ländern, die an Polen grenzten. Aber sie wurde in noch höherem Maße durch die positive Ermutigung gefördert, die die Juden von seiten der polnischen Herrscher empfingen. Wir sind jetzt bei einer der grundlegenden Triebkräfte in der polnisch-jüdischen Geschichte angelangt. Die polnischen Könige, die sowohl an Fähigkeit wie an Scharfsinn der polnischen Schlachta weit überlegen waren, hatten das Streben, ihrem Volke die Eigenschaften aufzupfropfen, die allein einen Fortschritt ermöglichten und die ihm so sehr fehlten, und sie waren gleichzeitig eifrig bemüht, gegen die Übermacht der Schlachta ein Gegengewicht zu schaffen, indem sie den Aufschwung der anderen Stände förderten. Dieselben Beweggründe, die die polnischen Herrscher veranlaßten, die Einwanderung christlicher Kaufleute und Handwerker aus Deutschland zu ermutigen, waren für sie ein Antrieb, die Ansiedelung deutscher Juden zu begünstigen, die noch dazu nicht nur Kapitalien in das Land brachten, sondern auch die Fähigkeit, Kapitalien in Umlauf zu bringen. Abgesehen von diesen Beweggründen wurden die polnischen Könige, wenigstens einige unter ihnen, durch Nützlichkeitsgründe von mehr persönlichem Charakter geleitet. Die Könige waren häufig arm. Sie waren auf einen Staatssäckel angewiesen, der gleichfalls ärmlich war, und die Juden waren bereit, für jedes Privilegium, das ihnen bewilligt wurde, zu zahlen, und sie taten dies, wie ein Blick in die Zeitgeschichte uns lehrt, stets freigebig, ohne zu knausern. Wenn es wahr ist, was ein polnisches Sprichwort sagt, daß Polen eine Goldgrübe für die neuen Ankömmlinge war, so ist es doch eben so wahr, wenigstens soweit es die Könige und die Juden betrifft, daß die neuen Ankömmlinge eine Goldgrube für Polen waren. Die Sage berichtet, daß Kasimir der Große durch seine Liebe für die schöne Jüdin Esterka veranlaßt wurde, den

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