Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Professor Kittels Obergutachten. er die herannahenden Tritte Gottes, ergreift er vor ihm die Flucht und versteckt sich. Es ist alles so wenig phantastisch, so psychologisch wahr geschildert, daß die Erzählung den Stempel der Wahrheit an der Stirn trägt und nur eines zu beklagen ist, daß sie wie so viele bibl. Erzählungen (auch die neutestamentlichen) zu wenig ausführlich ist. Wir können z. B. — davon schweigt die Erzählung — mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Gott diesmal den Protoplasten sein Angesicht nicht zeigte. Denn so, wie der Mensch durch die Sünde geworden ist, hat er die Kraft und Fähigkeit verloren das Angesicht Gottes zu sehen. ,,Mein Angesicht kannst du nicht sehen״, sagt Gott zu Mose auf seine Bitte, daß er ihn seine Herrlichkeit sehen lassen möchte, ״denn kein Mensch wird am Leben bleiben, der mich siehet2) ״. Mos. 33,20). Haben wir gesehen, was es mit dem ״Sichergehen Gottes im Abendwinde״ für eine wirkliche Bewandtnis hat, daß ein ernster Betrachter der bibl. Geschichte keine Ursache hat, von der Sache trivial zu reden, so bleibt noch — und dies ist eben für Prof. K. das eigentlich Anstößige — die Theophanie an sich übrig. Gott ist Geist, darum kann er nicht sinnenfällig erscheinen, so meint Prof. K. Wo also die Bibel ein sinnenfälliges Erscheinen Gottes berichtet, da ist ״die geistige Art Jv’s ins Wanken geraten״, der Erzähler ermangelt dann nach Prof. K. des richtigen Gottesbegriffs, er muß einer Zeit angehören, wo er von der Gottesanschauung der großen Menge, die eine niedrigere als die der Propheten war, angesteckt ist. Nun möchten wir aber doch, wenn die Propheten den Normalgottesbegriff hatten, an Jes. 6 erinnern, wo der Prophet ein Gesicht hat, in dem er die Gestalt Gottes sieht. ״Ich sah den Herrn״, sagt der Prophet. Wir wissen freilich nicht, ob nicht nach Prof. K. auch dieses Kap. von jemand verfaßt ist, dessen Anschauung von der geistigen Art Jv*s ״ins Wanken geraten war״. Wenn Gottes geistiges Wesen so beschaffen wäre, daß es unvereinbar wäre mit sichtbarem Erscheinen, so litte jenes Gesicht, auf Grund dessen dem Propheten seine Berufung zum Prophetenamt zur Gewißheit geworden, an einer fundamentalen