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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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Professor Kittels Obergutachteii. 263 müssen, daß sein ganzes Obergutachten diejenige neuere Auffassung des A T. repräsentiere, welche Delitzsch wegen ihrer ungeistlichen Profanität bis an sein Lebensende bekämpft hat. Freilich meinen wir, Prof. K. hätte schon deswegen Ursache gehabt, Delitzsch mehr ״zum Worte kommen zu lassen“, weil er auf S. 58 es an Rektor Hoffmanns Gutachten tadelt, daß dieser nur ״da und dort einen der vorzüglichen deutschen Exegeten zum Worte kommen lasse“. Auch die Gerechtigkeit hätte erfordert, den Richtern zu raten, nicht bloß drei der gleichen Richtung angehörige christliche Alttestamentler (Beer, Meinhold, Kittel) anzuhören, sondern wenigstens noch einen christlichen Hauptvertreter der positiven Richtung, nämlieh Franz Delitzsch oder einen seiner lebenden Schüler, welche aus den Schriften ihres Meisters den Richtern einen ■ wesentlich andern Begriff vom Alten Testament und vom Gott des Alten Testaments hätten geben können (״Eins wissen wir, daß die heilige Schrift A. u. N. T. die Offenbarungsurkunde des Einen wahren Gottes sein und bleiben wird“, sagt Delitzsch in seiner letzten Schrift ״Mess. Weissagungen“ 20). Es wäre eine ethische Tat gewesen. Wir beklagen, daß das nicht geschehen ist. Wir kehren zurück: Prof. K. hält es also für möglich, daß der Dekalog seinen Grundzügen nach dem Mose zugeschrieben werden darf. Von den andern im Pentateuch aufgezeichneten Gesetzen ist es ihm eine ausgemachte Sache, daß sie ״erst im Laufe der Zeit entstanden und mit dem Namen Mose’s in Verbindung gebracht wurden“ (S. 38), m. a. W. daß sie nicht mosaischen Ursprungs, sondern ein Konglomerat von Fälschungen sind, um so anstößigerer Art, als diese mannigfachen Gesetze nicht etwa nur eingeleitet sind mit den Worten ״Und Mose sprach“, sondern mit den Worten ״Und der HErr redete mit Mose״, also mit Worten, die eine Übertretung des dekalogischen Gebotes sind ״Du sollst den Namen JVs deines Gottes nicht mißbrauchen“. Das Rätsel, wie es möglich gewesen sein soll, daß ohne begründetste auf Mose zurückgehende Tradition jemand sich erlaubte, die einzelnen Partien der Ge- 18*

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