Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Zum Unterricht in der hebräischen Grammatik. daß ein sieben־, acht- bis neunjähriger Schüler beim Übersetzen des שמע weihevoll oder religiös gestimmt werden, daß man ihm diese herrlichen Gottesworte wirklich nahe bringen kann? Und kann ich nicht etwa einem zwölfjährigen oder noch älteren Schüler, die scheinbaren Synonyma im Gebetbuche רענו לועו פרנסנו ובלכלני und noch so viele andere besser zu Gemüte führen und ihn zur Andacht beim Beten hinleiten, als wenn ich mit einem kleinen Kinde dieses Tischgebet mechanisch einpauke? Es sei mir schließlich noch gestattet, kurz auszuführen, wie solcher Unterricht in den ersten Schuljahren sich gestaltet. Es werden in kurzen, leicht faßlichen, doch nicht inhaltlosen Sätzen und Sätzchen die Pronomen, die Singular- und Pluralformen, die Änderungen des Adjektivs, die Numeralia, die Prä- und Suffixa, endlich der Kal des Verbs, alles ohne Kegelkram, lediglich aus der Anschauung und Erfahrung heraus se behandelt, daß der Schüler nach 30—35 Unterrichtsstunden die Grundlehren der Grammatik völlig beherrscht, dabei aber schon nach der 12 ten Stunde etwa imstande ist, kurze Ge־ bete, wie ברכות, die קדשה, das שמע und s. f. selbständig, ohne Hilfe zu übersetzen, d. h. sprachlich zu erfassen. Daran muß sich eine methodisch aufgebaute Auswahl aus dem Gebetbuch und dem Pentateuch (mit einem Wörterverzeichnis) schließenr so daß etwa die ersten zwei Schuljahre — je nach der verfügbaren Zeit — versorgt sind. Der Schüler ist nach einem solchen Vorkursus fähig — dieses Ziel ist schon mehrmals erreicht worden — an der Hand eines guten Wörterbuches und von nun an auf durchaus grammatisch wissenschaftlichem Wege den seinem Alter und den Unterrichtsstufen angepaßten Stoff sich anzueignen. Freilich — darin pflichte ich wiederum Herrn Prof. Caro bei — mit Einsetzung aller Kräfte und alles Wissens seines Lehrers, denn allerdings: ohne gründliche Vorbereitung, ohne genügende Vorkenntnisse ist solcher Unterricht nicht möglich. Daher müßten unsere Lehrerbildungsanstalten mit gutem Beispiel vorangehen und nur noch Sprach-, nicht aber ״Übersetzungs“־Unterricht geben. Die Folgen dieses Verfahrens werden nicht ausbleiben,.