Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292974--02122-2295387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
258 Zum Unterricht in der hebräischen Grammatik. unterschätzen, wenn ein Teil der Absolventen solcher Schulen — es gibt deren mehrere in unserem Vaterlande, ich denke auch an die Lehrerbildungsanstalten — schließlich imstande ist, unter Leitung eines tüchtigen Lamdans ein Blatt Gemoro zu lernen. Aber — Hand aufs Herz — beherrscht auch nur ein kleiner Bruchteil dieser Schüler die hebräische Sprache? Man wende mir nicht ein, das sei ja nicht das Ziel des Unterrichts. Ja, warum ist es nicht das Ziel? Ist es nicht hoch genug, ist es niedriger als das oben gezeichnete, manchmal erreichte? Würde nicht umgekehrt ein Schüler, der hebräisch sprechen und schreiben kann, mit Leichtigkeit auch sich in Mischna und Talmud zurechtfinden? In dieser Beziehung stehe ich also, wenn auch durchaus nicht auf zionistischem Programm fußend, in einem gewissen Gegensatz zu Herrn Prof. Caro. Ich glaube wohl, bei systematischem Betrieb in 9 bis 10 Schuljahren nicht nur ein Scheinziel erreichen zu können. Dennoch will ich mich nicht auf diese Forderung festlegen, weil ich zugebe, daß durch diesen eigentlichen Sprachunterricht die ״höheren Absichten“, die wir verfolgen, einige Jahre, für manchen zu lange, leiden könnten, wenn auch nicht müßten. Was ich aber fordere und was meines Erachtens bisher nicht oder doch nur selten erreicht worden ist, was aber wohl zu erreichen wäre, ist: den Schüler zu selbständigem, selbst erarbeitetem Verstehen der heiligen Schriften, zu selbständigem Weiterarbeiten und zur Lust dazu heranzubilden und anzuregen. Das heißt aber nicht weniger als die Verbannung des mehr oder minder mechanischen ״Ubersetzungs“-Unterrichts aus unsern Schulen. Es heißt den Verzicht der Eltern auf die viel zu früh erwarteten, oben gezeichneten ״Erfolge“, es heißt die Umwandlung schon des ersten Unterrichts in einen — so schrecklich das Wort klingen mag, wenn man an die lieben Kleinen denkt — Sprachunterricht mit Bevorzugung der Stoffe des Gebetbuchs und des Pentateuchs, um so aufbauend zu einer Art Lektüre-Unterricht, wie man ihn sonst nennt, zu gelangen, zu einem auf Grammatik fußenden und nicht Gramma-