Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Unterriclit in der hebräischen Grammatik. 257 ich Eltern und Lehrer, welche Erfolge hat dieser Unterricht, hat dieses Programm bisher erzielt? Nach wenigen Jahren auf diese Stoffe zurückgreifend, 4muß man mit Schmerz feststellen, daß die ganze Mühe fast vergebens war; der Lehrer muß wiederholen und wiederholen, bis dem Schulkinde die taglieh wiederkehrenden Gebete zur Not bekannt sind — — die anderen, gar die an Poesie so reichen מחזור Stücke, bleiben verschlossene Tore. Der Lehrer muß immer wieder die einfachsten grammatischen Vorbegriffe entbehren und erklären, der Unterricht ist und bleibt ein ״Ubersetzungsunterrieht" in des Wortes schlechtester Bedeutung. Und was bleibt in reiferen Jahren, im späteren Leben von alledem hängen? Was ist die Frucht all dieser Mühen? Das übersetzte Gebetbuch, das übersetzte חומש — sie sind die Zuflucht der denkenden Beter,, unserer einstigen Schüler und Schülerinnen. So kommt’s in sogenanntenReligionsschulennach ein-, zwei־־ höchstens dreistündigem Wochenunterricht. Und wie steht es in günstigeren Verhältnissen? Was wird erreicht in Schulen, die jahrelang täglich ein bis zwei Stunden dem Unterricht im Hebräischen widmen können und auch wirklich widmen? Ich will — nach altjüdischem Brauch — eine Gegenfrage steilen, was könnten Schulen in irgend einer anderen Sprache erreichen,, in der sie acht bis zehn Jahre hindurch sechs bis zwölfStunden wöchentlich unterrichten? Diese Frage stellen heißt sie beantworten: ein solcher Unterricht, nach modernen methodisehen Grundsätzen erteilt, müßte geradezu herrliche Erfolge erzielen — das Kind müßte beim Verlassen der Schule zweifellos die betreffende Sprache in Wort und Schrift vollkommen beherrschen, jedes Schriftwerk stände ihm offen, es könnte sich in reiferen Jahren immer mehr und ״mehr vertiefen in den Keichtum, in die Pracht“ dieses Schrifttums, kurz: es müßto die Sprache mindestens wie die andern Fremdsprachen in sich aufgenommen haben. Man bedenke doch: zehn mal vierzig (Schulwochen) mal zehn Stunden, d. h. viertausend Schulstunden! Dazu häusliche Übung — welche Aussichten! Und wie steht es in Wirklichkeit? Ich will es nicht