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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Zum Unterricht in der hebräischen Grammatik. 255 für die Ursache setzend — an die Eltern der uns anvertrauten Schüler: ״Verlangt nicht zu früh nach den Früchten des hebräischen Unterrichts!tt Denn da liegt die wunde Stelle, und da müssen wir die Sonde anlegen. Nach dem von so tiefem pädagogischen Verständnis zeugenden Wort des Spruchdichters חניך לנעל ist es eine alte jüdische Sitte, schon dem kaum lallenden Kinde das בלבת המפיל בלבת המזון ,שמע, oder doch המלאך הגאל so lange vorzusagen, bis das liebe Geschöpfchen diese so inhaltreichen Gebete und Sprüche einigermaßen beherrscht. Die fürsorgliche Mutter sagt sich — und gewiß mit einigem liecht: Jung gewohnt, alt getan, גם בי יזקין לא יפול ממנה! Ich will nicht verschweigen, daß ich auch mit dieser Praxis erst dann einverstanden bin, wenn dem Kinde notdürftig der Sinn der von ihm gesprochenen Worte klar gemacht und diese selbst richtig artikuliert werden können. Leider wird beides sehr oft vernachlässigt, und selbst in streng religiösen Häusern läßt man Kinder gänzlich unverstandene Gebete in gänzlich verdorbenem Hebräisch verrichten. Kaum kann das Kind die Lippen bewegen, spricht ihm die Mutter am Bettchen, manchmal das Kindermädchen, i. V. sogar das nichtjüdische? das — wunderlicher Weise — als Nachtgebet für Kinder übliche המלאך הגאל vor. Was war denn die Absicht unserer Ahnen, wenn sie hier oder bzw. am מוצאי שבת eine Keihe von Bibelversen häuften? Dieser eigenen Art zu beten liegt doch wahrscheinlich der durchaus mystische Gedanke zugrunde, durch solche Bibelspriiche sich in das beruhigende, beseligende Fluidum der in diesen sonstigen Zusammenhangs entbehrenden Sprüchen zum Ausdruck gebrachten Segensverheißungen zu begeben, aus ihnen Hoffnungen für die kommenden Kämpfe des Tages oder für die dunkle, unheimliche Nacht zu schöpfen. Was aber kann das Kind dabei denken? Wäre es nicht richtiger — wenn denn schon in der Sprache unserer Väter gebetet sein soll — sich mit dem von Gottvertrauen erfüllten הגה לא ינום und mit dem hoffnungsvollen לישועתך zu begnügen oder gar — ich wag’s — das Kindchen ein kurzes Gebet in der Muttersprache verrichten zu.

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