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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Ahron Marcus. 251 seiner Vorgänger und Gegner. Eine ungemeine Fülle verwandter Gedanken, z. B. der Droschaus des Ban, der Thesen Luzzattos, geistreiche דברי תורה und Ausflüge in andere Gebiete sprengen hier allerdings den Faden der historischen Darstellung so oft, daß einzelne Persönlichkeiten ganz verschwommen geschildert sind. Das Werk ist infolgedessen schwer zu lesen. Es zeigt sich hier derselbe Fehler der Marcus’schen Darstellung, der wohl die Hauptursache ist, daß seine anderen großangelegten Werke Fragmente geblieben sind, ein Fehler, der wohl in der kabbalistischen Denkart begründet ist, daß nämlich alle Teile der Welt durch unendlich viele Fäden verknüpft sind, daß das Ganze ein gottgewollter Kosmos ist, in dem alle Teile einander spiegeln. So berühren sich alle Themata; und ohne genügende Rücksicht auf systematische Klarheit schweift man oft in ein Nachbargebiet soweit ab, daß der leitende Faden des Werkes nur mit Mühe wieder zu erreichen ist. So findet man auch fast alle Themata in allen Werken berührt. Eine systematische Beschränkung hätte wohl mehr Werke zur Vollendung reifen lassen. Diese Kritik setzt den großen Wert der Arbeiten nicht herab, die in prächtiger, oft farbenreicher, geradezu dichterischer Sprache, gewürzt mit starkem, oft derben und grimmigen Humor den Gegnern gegenüber, eine ungeheure Fülle von Gedanken bieten, eine ungeahnt reiche Welt dem Westjuden eröffnen und das Arsenal unserer Waffen bereichern. Die beiden Jahrgänge der Krakauer jüdischen Zeitung 98 und 99, enthalten außer den oft erwähnten Artikeln prächtige politische Übersichten, die gerade heute im Weltkrieg sehr interessieren, ferner den Bericht über die vier ersten zionistischen Kongresse. Marcus wandte sich freudig dem Zionismus zu, kräftige Artikel ,weisen die Protestrabbiner zurecht, ein Vortrag über Zionismus zeigt ihn voller Hoffnung, alle kolonisatorischen Fragen werden diskutiert, viele Briefe aus Argentinien und Palästina beleuchten die erregte Zeit. Marcus’ Hoffnung auf baldige religiös-positive Wendung im Zionismus erfüllte sich nicht, sein Interesse wandte sich daher in den letzten Jahren mehr der Agudath Jißroel zu. Hochinteressante Beisebriefe zeigen Marcus in seiner geistigen Lebendigkeit. Seine Pariser Beobachtungen und Studien im Louvre sind geradezu köstlich. Diese Zeitschrift ist von Marcus fast allein geschrieben. Ein Exemplar befindet sich in der Hamburger Stadtbibliothek, eins in der Altonaer Sumbelstiftung. Im Frankfurter Israelitischen Familienblatt erschien eine Artikelserie über Flavius Josephas und seine Zeit; während des Erscheinens wurde Marcus uns entrissen. Die weitere Veröffentlichung wird aber fortgesetzt. Marcus war auch ein fruchtbarer hebräischer Schriftsteller. Im קוכמרס כגר" ת מך השבלים mit dem פירוש קסת הסופר zeigt er sich in der Erläuterung der halachischen Fragen als versierter Talmudist, die Ein-

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