Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Bibelwissenschaftliclie Irrungen. 239 gleichen Kapitel in V. 34 ״du sollst ihn (den Fremden) lieben wie dich selbst.“ Ebenso erscheint uns das Kapitel von der ״Erwählung“ zu kurz geraten. Auf diesen Kardinalpunkt, der in allen modernen religionsgeschichtlichen Erörterungen über die Geschichte Israels doch eine so bedeutsame Holle spielt, müßte ausführlicher eingegangen, die Idee der Erwählung Israels analysiert werden. Auch hätten wir eine unterschiedliche Behandlung der Bibelkritiker gewünscht. Man sollte nicht, wie das S. 213 geschieht, König und SeUin und Wellhausen und Delitszch in einem Atem nennen. Wir wollen nicht vergessen, wieviel die Apologetik gerade König und Sellin für die Überwindung der Wellhausenschen [Hypothese dankt. Auch ist nicht gewürdigt, wieviel nichtjüdische Apologeten geleistet, Keil, Hengstenberg und andere in alter, Green, Möller und andere in neuerer Zeit. Und welche Kluft zwischen Wellhausen, der doch immerhin ein Sprachforscher und Historiker von großem Wüchse ist, der den Stoff meisterhaft beherrscht und Delitzsch (ich setze voraus, daß Neubauer Friedrich Delitzsch meint), der zwar ein großer Assyriologe aber ein so unendlich kleiner Bibelforscher ist. Welch Unterschied zwischen dem nun sagen wir gut jüdisch — רשע Duhm, dem es eine diabolische Freude macht, wenn er Anschauungen, die bisher heilig gehalten wurden, herabsetzen kann, der z. B. in Kommentar Psalm 104, nach Humboldt, dem Yerf. des Kosmos, eine der wunderbarsten Naturschilderangen der Weltliteratur, mit ätzendem Spott auf die primitive Natur auffassung hin weist, die sich das Weltall gleich einem Haus von drei Stockwerken vorstellt — und einem Dillmann, der überall und immer der Wahrheit zu dienen sucht. Auch ist der Ton oft nicht der rechte dort, wo N. sich gegen die Gesamtheit der Bibelkritiker richtet. Kein Wort erscheint uns scharf genug, wenn man gegen solche Entstellungen protestiert, wie sie sich Kittel zu schulden kommen läßt z. B. ״man darf den Ger nicht einmal lieben, Gott verbietet es“ oder ״Israel tritt ohne jede sittliche Ge-