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Jeschurun · 1917-05-01 · Heft 5 (Mai 1917) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 5 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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238 Bibelwissenschaffliche Irrungen. nüge der Weltkrieg gelehrt. Warum sollten wir *nicht annehmen, daß die Menschheit, wenn sie sich nicht gegen Gott aufgelehnt hätte, eine noch viel wunderbarere und glücklichere Geschichte hätte durchleben können. Wie sie sich gestaltet hätte, dafür fehlt uns freilich jede Möglichkeit der Erkenntnis,, da wir nur das wirklich Geschehene in seinen Zusammenhängen und seiner Entwickelung beurteilen können1). Ebenso geht seine Apologetik falsche Wege, wenn er mit einem reichen Material in Verteidigung von Hermann Cohen gegen Kittel beweisen will, daß Lev. 19, 18 דארזבת לרעך ״ כמוךdu sollst deinen anderen (Mitmenschen) lieben wie dich selbst. Wenn es unmittelbar vorher im Texte heißt: לא תקום ולא תטר את בני עמך du sollst dich nicht rächen und keinen Haß nachtragen den Söhnen deines Volkes, so muß jede Exegese auch die folgenden Worte auf den Volksgenossen beziehen. Das Thoragesetz richtet sich, das ist die einzige Antwort, die immer zu geben ist und mit der mit einem Schlage auch Angriffe auf andere Stellen zu erledigen sind, naturgemäß an Israel, denn für Israel allein ist es ja be־ stimmt, die Israeliten allein sind ihm unterworfen. Wie der Israelit, wenn er unter anderen Völker sich auf hält, sich seinen Mitmenschen gegenüber zu verhalten hat, dafür trifft die Thora keine Bestimmungen, da die politische Selbständigkeit und der Besitz des heiligen Landes überall vorausgesetzt wird, es auch an sich schon überflüssig erscheint, dem unter fremde Völker Versprengten diesbezügliche Verhaltungsmaßregeln vorzuschreiben. Untersteht er doch dort in diesem Verhalten den Gesetzen des fremden Landes. Wie der Israelit sich dem Fremden gegenüber betätigen müsse, wenn dieser im Lande Israels weilt, das muß Gegenstand einer Vorschrift sein. Und diese wird auch deutlich genug und in einer Vollkommenheit und idealen Höhe, wie sie keine Fremdengesetzgebung je erreicht hat, gegeben. Nur nicht an dieser Stelle, sondern in dem l) Vgl. dazu noch J. Wohlgemuth, Die Unsterbliehkeitslehre in der Bibel S. 50 ff.

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