Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Bibelwissenschaftliche Irrungen. 237 eine hervorgehoben; daß die von Kittel getadelte ״niedrige Vorstellung“ in Gen. 18,21 von dem Gott, der hinabsteigt, um zu sehen, ob die Sodomiter im Maße des zu ihm gedrungenen Geschreis Böses getan haben, daß diese gerade der Ausdruck eines erhabenen Gedankens ist, des Gedankens, daß der Gott des alten Israels als Richter des Weltalls sich aus freien Stücken dem von ihm selbst ausgehenden Sittengesetz unterordnet. Gott soll das Vorbild des irdischen Richters sein, der sich nicht auf Eindrücke, Mitteilungen oder allein auf das Geschick verläßt. Der Richtende soll mittels Augen- Scheins seine Wahrnehmungen machen und auch bei durch dringendstem Wissen und unbeschränktester Machtvollkommenheit vor allem untersuchen und urteilen und dann erst, nach Abwägungen etwa vorhandener Entlastungsmomente, zum Straf- Vollzug schreiten. Weniger können wir uns mit dem Gedanken befreunden, in denen der Vf., um der Behauptung Kittels von den ״niedrigen Vorstellungen des A.T.“ entgegenzutreten in der Vertreibung aus dem Paradiese eine Erhöhung des Menschen zur Ereiheit einer selbstbewußten Persönlichkeit und in der Zer- Streuung der Menschen nach dem Turmbau zu Babel eine Erfüllung des göttlichen Schöpfungsplanes sieht: ״Für den Erdball wäre es nicht förderlich gewesen, wenn sich dessen Bevölkerung konzentrisch entwichet hätte, schon nicht im Interesse der Ernährung, Erhaltung und Vervollkommnung der Art.“ Wenn er auch jüdische Gewährsmänner für diese Gedankengänge beibringt, sogar kabbalistische Komentare, so entfernt sich doch diese Auffassung von dem schlichten Sinne des Textes allzusehr, den man in einer Apologetik, die auf den Gegner wirken will, nicht ohne Not verlassen sollte und steht im Widerspruch mit der Gesamtanschauung des Judentums, die stets in der Sünde Adams und in der des דור הפלגה eine schwere Auflehnung gegen den göttlichen Plan und darum ein Unglück gesehen hat. Welch unsägliches Unglück aus der Sprachverwirrung, aus dem Umstand, daß die Völker einander nicht verstehen, entspringt, hat uns doch zur Ge-