Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Bibelwissensehaftliche Irrungen. Ausführungen des Obergutachtens folgen wollte, auf die ein־ zelnen Stellen nacheinander eingehen, dennoch hätten wir gern eine zusammenhängende Darstellung über die ganze Theorie von der ״Volksreligion“ gehabt. N. gibt gute Einzelbemerkungen, die verschiedentlich zerstreut sind, über die Notwendigkeit von Gott anthropomorphistisch zu reden, führt gute Beispiele dafür an. wie nicht nur unsere Kanzelsprache durch und durch ״mythologisch4‘ ist, sondern auch die Schriftsprache sich in seltsamen Bildern bewegt, ohne daß man je daran Anstoß genommen. Er zeigt, daß in jener Bildersprache sich religionsphilosophische Ideen verbergen, deren Vorhandensein man ja in so erhabenen Urkunden, wie es die biblischen Kundgebungen sind, annehmen müsse, selbst wenn die Absicht, eine philosophische begründete Darstellung zu geben, nicht vorhanden ist. Aber wir vermissen hier eine Darlegung darüber, welche bedeutsame Stellung im Kähmen der modernen bibelkritischen Anschauung die Hypothese von der ״Volksreligion44 einnimmt. Der Vf. wollte uns doch, nach seinem eigenen Zeugnis in dem ״Obergutachten44 nur ״ein Paradigma der herrschenden Richtung und ihrer Schule44 schildern. Die Albernheiten, man verzeihe das harte Wort, die Kittel vorbringt, geben dem Laien kein rechtes Bild davon, wie sehr die moderne Bibelkritik mit ihrer Theorie von der ״Volksreligion44 im Banne der Entwicklungslehre steht und es wäre in einem solchen Buche gerade von Nutzen gewesen, dem Leser einerseits gerechterweise zu zeigen, daß es sich bei diesen Hypothesen doch um eine großzügige Konzeption handelt, von der es wohl verständlich ist, daß sie so viele Forscher zeitlebens gefesselt hat, aber auch andrerseits dem Leser vor Augen zu halten, daß die Bibelkritik mit ihren Hypothesen nur ein Glied in der Gesamtdisziplin der Religionsgeschichte ist und daher nicht völlig vorurteilsfrei an die Erforschung des Textes geht, sondern verschiedene Entwicklungsstufen aufzuspüren sucht, die sie tür den von ihr vermuteten Gang, den die Evolution eingeschlagen haben müsse, braucht. Von manchen feinen Bemerkungen des Vfs. sei nur die