Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Bibelwissenschaftliche Irrungen. gangenheit auch wirksam war aber vielleicht nicht so stark in die Erscheinung trat. Die Resultate jener Bibelforschung werden popularisiert und in Zeitschriften und billigen Volksbüchern auch der Jugend zugänglich gemacht; dieser geht wiederum jene tiefe und umfassende Bibelkenntnis ab, die noch immer der beste Schutz gegen eine völlig nichtjüdische Auffassung der heiligen Schrift ist. Aber auch eine Gefahr für unsere politische Gleichberechtigung, zum mindesten für die Anerkennung des überlieferten Judentums als einer vom Staate zu schützenden Religion droht uns. wenn wir den Anstrengungen mancher Bibelkritiker nicht mit den Methoden, die nun einmal in der heutigen Zeit gefordert werden, entgegentreten. Ein erschreckendes Beispiel hat der Ausgang des Prozesses gegen den Herausgeber des ״Hammer4‘ den Antisemiten Fritsch gegeben, der eine von den niedrigsten Schmähungen erfüllte Schrift gegen den ״Gott des Alten Testaments44 d. h. also gegen den Gott, zu dem wir 'uns bekennen, veröffentlicht hatte und auf Grund eines Obergutachtens des Geh. Regierungsrates Prof. Kittel freigesprochen wurde. Nicht der Ausgang des Prozesses gegen den herzlich gleichgültigen und als berüchtigter Radauantisemit ungefährlichen Fritsch war das Bedenkliche,, sondern die Tatsache, daß auf Grund des Gutachtens eines in der Gelehrtenwelt hochangesehenen Mannes das Gericht zu der Überzeugung kam, daß der ״Gott des A. T.“, man verzeihe das Nachschreiben der Blasphemie, sittlich minderwertige Züge trage, der heutigen Judenheit nicht als Vorbild diene und diese darum von Fritsch7 Pamphlet sich nicht getroffen fühlen könne. Die Urteile Kittels fußen aber in manchen Punkten auf den Grundanschauungen, welchen die moderne Bibelkritik zum Siege verholfen hat. Man sieht, es handelt sich für uns schon nicht mehr um rein theoretische Erörterungen, sondern um die bitter ernste Frage, ob das Judentum, das sich zum Wortlaut der Bibel bekennt, völlig vogelfrei sein soll. Von da ist ja kein großer Schritt zu der anderen Frage, ob die Bekenner dieses Judentums auch noch