Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Bilder aus Litauen. Trinklied, ganz aus dem reichen Born wirklichen jüdischen Lebens geschöpft, geschrieben mit Golustränen oder erfüllt mit echter Chassidimlebensfreude. Eine schöne duftende Edelblüte inmitten üppig wucherndem Unkraut. — Auf wesentlich höherem Niveau stehen die Dramen von Gordin, tiet empfundene Familienstücke, aber auch in ihnen nur jüdische Typen, nicht das Leben der Ostiuden; auch in ihnen der amerikanische Einschlag. Was immer wieder zu den Vorstellungen zieht? Einmal das Milieu, es ist doch ein Bild, wenn auch ein Zerrbild ״unserer teirer Jidelach“, dann die anheimelnde Sprache und vor allem die Darsteller und wie gespielt wird. Die Tageszeitung lallte nach der gewöhnlichen Kritik über die Disziplinlosigkeit in der Haltung des Publikums und mehr oder minder zutreffenden Wertung des Stückes das Urteil über die Darstellung: Unbegreiflich nur ist die Ankündigung ״dargestellt von ״Lie b;habern der jüdischen Kunst“ — Wahrlieh, das sind keine Dilettanten, und mancher Berufsschau- Spieler könnte lernen bei dem tagsüber ihrem Beruf nachgehenden Kaufleuten, Gerbern, Friseuren, Haustöchtern una Lehrerinnen. Noch verwunderlicher :Nicht immer die gleichen Darsteller, nein bei jeder Vorstellung neue Sterne, Sterne schon beim ersten Auftreten im Spiel, im Gesang, im Tanz. Ungekannte, verkannte, ungeweckte, mißleitete Intelligenz, unerschöpfliche Geisteskräfte, jüdische 'Volkskraft, herrliche־ Funken, wo immer der Strom sie zur Entwickelung bringt. — Ueberflässig wohl zu sagen, daß die Erträge dieser ‘Vor- Stellungen ausschließlich wohltätigen Zwecken dienen. Daß die selbst nicht Satten ihr Bestes geben um fremden Hunger zu stillen, daß manches Billet und der mit ihm erstandene Genuß das Abendbrot ersetzt, daß mancher Rubel, den das Büffet in den überlangen Pausen vereinnahmt, der letzte verfügbare ist. Man gibt und hofft auf den besseren morgigen Tag. Lebt doch jetzt Jeder nur in der Hoffnung, von der Hoffnung. , Nicht zu schildern ist die stille Größe des unermüd*■