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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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222 Bilder aus Litauen. den ausgesprochen Jüdischen Gassen und Sträßchen. Auf der Bank vor dem Hause die Mütter und Ahnen. Die Seidenhaube, der Scheitel vom jungen Geschlecht fast vergessen, der Korbanminchah-Siddur und mehr als alles der heute fast überweitliehe Blick der alten ungetrübten Augen führen zurück in die gute, alte Zeit, in die Zeit der Geonim, von deren Lob noch heute das Herz überfließt. In die Zeit, wo fern vom krassen Materialismus der Sabbath das heiligste Volksgut war, gewidmet dem Lernen und Hören von Gottes Wort. Und dabei dringt aus den Fenstern auch heute noch der Schall vom Gemorohlernen, Tillimsagen, Semiraussingen. Zu Füßen der Müt>- ter spielen die heute sauber gekleideten Kinder und Enkel, von der Ecke klingt aus frohem Mädchenkreis ein jiddisch Liedei: Schabbos ist über die ganze Welt. — Der Schabbos geht dahin und es ist Nacht geworden. Und nun wieder etwas ganz Anderes, ein neues Bild ״das jiddische Theater“. Eile tut nicht not. Um 9 Uhr hat die aut präzise 8 Uhr angesetzte Vorstellung noch nicht begönnen. Doch schon vor der festgesetzten Zeit ist das frühere Stadttheater, in dem jetzt die Vorstellungen der ״Liebhabern jiddischer Kunst“ stattfinden, überfüllt von einer ־ festlich erregten Menge, die sich so lebhaft unterhält, wie es unser abgekühltes Temperament nicht zuläßt, nicht versteht. Das Klingelzeichen, das Dunkelwerden des Saales können den Lärm nur nach und nach unterdrücken. Dann aber: Ein ganzes Haus lebt mit dem Autor, geht auf in den Darbietungen, weint und lacht mit den Helden wie Kinder im Märchenspiel. Bei jeder Pointe nicht endenwollendes Klatschen und Trampeln. Bis, bis (da capo )-Rufen, nein Brüllen von der Galerie herab nicht lebhafter als aus den Logen der Haute volee. ־ Wie sehen nun die meisten der ״Werke“ aus, die einem so dankbaren Publikum geboten werden? Schwer ist hierbei dem Prinzip, keine Kritik zu üben, treu zu bleiben. Schwer, weil scheinbar die, die es angeht, in Unkenntnis und falscher Bewertung sich nicht bewußt werden, welcher Gefahr sie die reichlich erscheinende Jugend aussetzen, die begeistert

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