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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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Bilder aus Litauen 221 fetten Kugel, einem saftigen Hälsel drin, heute mahnt in gar vielen Töpfen nur ein magerer Knochen an vergangene bessere Tage. Wer könnte sich auch heute noch das sonst in jedem Hause übliche Schabboßmenü bestehend aus: Hering, gefülltem Fisch, gehackter Leber mit dem dazu gehörigen Süßgebäck, Braten, Scholent, Kuggel, Zimmes (Gemüse) leisten? Und wie wenig hat all das früher gekostet? Wann kehrst du wieder goldne Zeit?! Eine Stunde später. In den Hauptstraßen ein lebensfroher, bunt bewegter Korso, Männlein und Weiblein, schmußend in jiddisch, flirtend auf russisch, nun schon gewöhnt an das erst so schwere: Rechts gehen, gemächlich genießend, verdauend, feiernd: ״Schabboß ist über die ganze Welt“. Der Anzug der Männer ohne jeden Typ, der polnischeKaftan, die seidene Mütze kaum zu sehen, nur im Winter kündete das viele Pelzwerk das fremde Land. Und die auffallend häufigen schönen Gesichter junger Frauen und Mädchen. Auch bei ihnen keine ausgesprochene Mode in der Kleidung und "kein übertriebener Luxus. Selbst die ganz Einzelnen, die es sich leisten könnten, tragen ihn nicht öffentlich zur Schau. Werden doch schon ohnehin aus der nur anmutigen ordentlichen Kleidüng der Mädchen,, die nur gar zu oft ein recht hungriges Menschenkind umschließt, Trugschlüsse auf den Reichtum der Juden gezogen. Aber ein angeborener Chein weiß das einfachste Kleidchen durch eifi buntes Band zu verschönen, aus einem dreimal gewendeten Seidenflicken ein chickes Hütchen zu formen, läßt sie das Schuhwerk schonen und durch eine Schnalle zieren; ein eigenartig stolzer Gang, all das hebt das jüdische Mädchen weit über das Milieu des Landes heraus, gibt dem Straßenbild seine eigene Note. Auf jedem Gesicht liegt das Bewußtsein des Schabbos, kommt der Gegensatz zum Werktag zum Ausdruck. Nicht etwa religiös ist dieses Empfinden, auch kaum national zu nennen, sondern unbewußt ererbtes Gut, kaum in seinem hohen volkserhaltenden Werte erkannt und gewertet, aber vorerst treu gewaTirt und geliebt. Weit intimer als in den Hauptstraßen wirkt das Bild in

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