Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Bilder aus Litauen. Von großen Chasonim, vom Maggid, von überfüllten Schulen kann ich nicht sprechen — ich habe sie nicht gesehen, nicht gehört — Dienst ist Dienst, aber der Schabbos des Soldaten ist kein Schabbos, auch nicht in einer rings um ihn feiernden Judenstadt. Ein Bild, ein Lied. ׳ Der Wiederschein der winzig dürftigen Kriegsschabbeslichter aus hunderten Fenstern, zeigt es, es liegt in einer aus Werktagszornes und Sabbathfreude wehmütig gemischten Melodie, die Ruhe, die vom frühen Freitagabend und besonders am Sabbathmorgen die Straße beherrschen, die der militärische Verkehr zwar stört aber nicht rauben kann, verkündet: ״Schabbes ists über die ganze Welt“ trotz Krieg, trotz Not, trotz all des Neuen, das verheerend in das altgewohnte eingebrochen ist. Das Auge muß den am Sabbath offenen Laden eines Nichtjuden suchen, auch den nicht Wenigen, die den Din nicht achten, fällt es nicht ein, den Laden am Sabbath zu öffnen. Vom Straßenbild verschwunden sind die sonst belebenden Verkaufsstände in den Hausgängen, die Buden am Marktplatz, die Lastträger und Eckensteher. Verscheucht die ״Panje“- droschken mit ihren so ruhebedürftigen struppigen Pferdchen, mit ihren Kutschern im zerrissenen ganz eigenen Kutschermantel, verklungen das Feilschen und Kreisehen der Hökerinnen und Hausierer. Auch der Bauer findet am Sabbath nicht den Weg in die feiernde Stadt. Fast lautlos eilen einzelne Beter, den Tallissaek, alte Mütterchen den großen Siddur im reinen Tuch im Arm über die ruhende Straße ״in Schul herein“. Feiertagsstille, nur geweckt durch den eisenklirrenden Schritt von Soldaten, das Klappern der Holzschuhe von Trupps Kriegsgefangener, die zur Arbeit ziehen. — Erst gegen Mittag, wenn der Gottesdienst zu Ende, erwacht die Stadt, füllen sich die Straßen. Nun kommt der echte Schabboß, ungefälschter Jüdischkeit, bis in die Büros und Schreibstuben. Durch die offenen Fenster dringt der Duft des Schalent aus den unzähligen Töpfen, die vom Bäcker geholt werden. Nicht Bohnen, nicht Grünkern nicht Graupen — Kartoffel werden hier gestellt; in Friedenszeiten mit einer