Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292973--02079-2295343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

216 Die drei Worte des Seder-Abends. die Juden hätten schon wegen ihrer Minderzahl keinen Anspruch darauf, am Sonntag Werktagsarbeit zu verrichten. Diese Denkart ist Stirn er unverständlich. ״Wenn die Christen verlangen können, daß ihre Festtage durch keinen Geschäftsbetrieb gestört werden, warum denn die Juden nicht auch? Hat Gott kein Gefallen daran, daß eine christliche Andacht durch Lärm unterbrochen werde, so wird er auch den Christen schwerlich freundlich sein, die eine jüdische Andacht mit Hämmern und Äxten durchlärmen. Was ist denn da für ein Unterschied?“ Freilich dächten ״Millionen guter Christen“ ohne Arg nicht so. ״Sie finden es ganz in der Ordnung, daß sie gerade auf die Sonnabende ihre geräuschvollen Markttage verlegen und durch Scheuern und Abfegen ihres wT0chenalten Schmutzes neben den Stuben, Häusern und Synagogen der betenden Juden einen Mordspektakel machen, der ihnen am folgenden Tage von diesen durch — Schließen der jüdischen Läden und Einstellung alles jüdischen Geschäftsbetriebes — vergolten wird. Wann der Jude betet, schachert und scheuert der Christ, und wann der Christ betet, soll der Jude — faullenzen. Soweit die Äußerungen Stirners zur ״Judenfrage״. Wann wird der Jude einmal in alten Papieren blättern können, ohne immer wieder auf ״Zeitgemäßes“ zu stoßen? Die drei Worte des Seder-flbends. Von Professor Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. Maia. R. Gamliel erklärte es naehMischnaPessaehim 10,5 alsunerläßlieh für die richtige Erfüllung der Pflicht das Pessaehfest zu begehen, den drei Symbolen des Festes seine besondere Aufmerksamkeit zu schenken, sie am Sederabend zu erwähnen und den Tischgenossen ihre Bedeutung klar zu machen: ,פסה ,מצה מרור: wer dies unterlassen, der habe seine Schuldigkeit nicht getan; so ist denn naturgemäß der Spruch des R. Gamliel in die Hagadaliturgie aufgenommen werden. Es liegt hier ein ganz besonderer Vorgang vor, dem nachzudenken wohl der Mühe wert ist. Die besondere Hervorhebung der Symbole des Peßachfestes, sie zu erwähnen, ihre Bedeutung sich klar zu machen, was bei dem Succothfeste z. B. nicht verlangt wird, fordert eine Begründung umsomehr als S. Gamliel das verurteilende Wort für die Unterlassung in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.