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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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215 ״Max Stirn er zur Judenfrage“. .,christlichen Feudalherrn“ zum Judentum die Rede ist. Da wird ergötzlich geschildert, wie diesen Herren, die doch von der Göttlichkeit des Alten Testaments überzeugt sind, der Haüdelsjude ״zu schmutzig, zu gewinnsüchtig, in seinen Manieren zu lächerlich“ ist; wie der wohlhabende Kaufmann ihnen auch nicht genehm ist, wie der weltmännische Bankier, ״der den Erlöserorden von einem christlichen Monarchen geschenkt bekommen hat“, sie ״durch seinen Reichtum, durch seinen Luxus, seine Bildung und seinen Einfluß“ ärgert; wie ihnen der jüdische Arzt trotz seiner Unentbehrlichkeit zu aufgeklärt, der Schriftsteller ein Greuel und gar der Journalist ein ״Judenjunge“ ist. Mit diesem Gott ״Bosenkranz“ jst Stirner natürlich durchaus einverstanden. ״Die Juden können“, heißt es an einer anderen Stelle, ״wenn sie ihren Wunsch nach Emanzipation auf die letzte Basis zurückzuführen, nichts anderes als ״die“ Trennung des Beligionsbekenntnisses von dem Staatsbürgertum begehren.“ Diese Worte sind nicht so sehr der Juden wegen geschrieben als zur Unterstützung gewisser Bestrebungen, die damals auflebten in einem Kreise, der sich ״die Freien“ nannte und dessen Mittelpunkt in Berlin eben Stirner war. Nicht das Verhältnis der Juden zum Staat, sondern ihre eigene Verfassung bespricht ein Brief vom 28. Dezember 1842־. Es handelt sich da um die Rabbinerwähl. Gegen das, was man in Berlin damals ״Wahl“ genannt hat, legt Stirner kraftvoll Verwahrung ein. Man hat nicht die Gelehrten befragt, welche Kandidaten auf die Wahlliste gesetzt werden sollen; man hat die Namen der eigenmächtig vorgeführten drei Kandidaten nicht zur Kenntnis der Gemeinde gebracht; man hat die Gemeindeglieder gar nicht hören oder zur Wahl zulassen wollen: man hat keine Konkurrenz eröffnet und hat endlich nicht einmal Probepredigten halten lassen. Dagegen hat man Folgendes getan: Die beitragenden Mitglieder der Gemeinde, und zwar nur die beitragenden, wurden in drei Klassen geteilt: i. in die meistbeitragende, 2. in die vielbeitragende, 3. in die mehr oder weniger beitragende. Die Namen einer jeden Klasse wurden in eine Urne gelegt, und dann aus jeder der beiden ersten Klassen elf, aus der dritten zehn Namen gelost; und diese gelosten oder gezogenen Herrn sollten als Repräsentanten der ganzen Gemeinde im Jahr 1842 einen Oberrabbiner für Berlin wählen!“ Noch ein weiterer Umstand uns leider ebenso vertraut wie die manchen Kreisen unserer Gemeinschaft innewohnende Neigung zu autokratischer Gemeinderegierung, erregt Stirners höchstes Erstaunen: ״Unter den Männern der ersten Klasse sind Namen, die .... nur die Gräber ihrer Vorfahren noch im Judentum haben, die Wiegen ihrer Nachkommen aber im Christentum.“ Noch eine Stelle sei hier wiedergegeben, die ebenfalls den Anspruch erheben darf, zeitgemäß zu sein. Stirner knüpft an <üne ״Zur Judenfrage“ betitelte Broschüre des Staatsrats Hoffmann a::, in der gesagt war,

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