Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292973--02077-2295341- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
214 ,Max Stirner zur Judenfrage“- jüdischen Angelegenheiten die Bede ist. In dem von John Henry Mackay herausgegebenen Bande ״Max Stirners kleinere Schriften‘‘ und seine Entgegnungen auf die Kritik seines Werkes ״Der Einzige und sein Eigentum“ aus den Jahren 1842—1848“!Zweite Auflage 1914 in Bernhard Zacks Verlag, Treptow bei Berlin) findet man diese Äußerungen wieder. Teils bespricht er Judenfragen um ihrer selbst willen, teils benutzt er sie als Mittel zum Zweck, um allgemeine Dinge durch sie eigentümlich zu beleuchten. 1842 handelte es sich um ein neues Judengesetz in Preußen. Da weiß Stirner mitzuteilen, wie an einen Kabinettsrat ein rätselhaftes Schreiben gelangt sei, das ״den mit kabbalistischer Gelehrsamkeit abgefaßten Nachweis enthielt, daß seit 200 Jahren jedes gegen die Juden erlassene Gesetz auf der Stelle irgend ein Unglück zur Folge hatte.“ Allerhand Einzelheiten seien angegeben gewesen; der Verfasser sei unermittelt geblieben, obwohl der König selbst ihn kennen zu lernen wünschte. Auf dieses Judengesetz kam Stirner im selben Jahre noch einmal zu sprechen. An dem Entwurf, der vorlag, freute ihn besonders ״die geschichtliche Darlegung des Betragens, welches die Christen während der Liebesperiode gegen die Juden beobachteten.“ Er versteht unter ״Liebesperiode“ die patriarchalische Zeit, die nach den Freiheitskriegen einsetzte. Auch andre Federn bemengten sich damals mit der ״Judenfrage“; Stirner zeigte ebenfalls 1842 eine kurze Broschüre an: ״Aus den Papieren eines Berliner Bürgers. Nr. 1 die Judenfrage.“ Diese Schrift tritt für Verschwägerung zwischen Juden und Christen ein; Stirner stimmt zu und ruft aus: ״Der Mann spricht der Wahrheit aus dem Herzen.“ Ein anderes Mal erwähnt er, der Minister Eichhorn habe an die Berliner Judenschaft die Aufforderung gerichtet, ״in den Schulen mehr auf Kräftigung der Sittlichkeit zu halten, weil es nach statistischen Ermittelungen feststehe, daß unter den Juden mehr Verbrechen vorfielen als unter den Christen.“ Die Juden verlangten öffentlichen Widerruf dieser Verleumdung; ״ob er erfolgen wird, steht noch dahin“, bemerkt Stirner skeptisch. Wie schlimm, daß man solche statistischen Irrtümer jetzt als zeitgemäß empfinden muß! Die bisherigen Stellen waren in der ״Leipziger Allg. Ztg.“ veröfientlieht. In der ״Rheinischen Ztg.“ besprach Stirner 1842 mit großem Nachdruck die ״Königsberger Skizzen“ von Karl Rosenkranz, dem bekannten Hegelianer. Ihm fälLt ein Satz in dem Buche auf, der nach seiner Auffassung besagt, man müsse ״ein fester Christ“ sein, um die Juden nicht zu hassen“ beim Gedanken an die Kreuzigung. Stirner wendet sich dagegen, daß Feindesliebe etwas Christliches sei, nie etwas allgemein Menschliches. Der Judenhaß wurzele im Gegenteil gerade im Christentum. Ohne kritischen Zusatz führt Stirner dagegen eine ander# Stelle aus Rosenkranz an, in der von der eigentümlichen Stellung der