Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292973--02069-2295333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 Professor Kittels Obergiitachten. entgegen. 'Warum? Weil der Verfasser dieses Verses erst iin 8. Jahrh. gelebt habe. Daß die Tradition bis dahin eine riehtige war, ist dem Prof. Kittel fraglich. Warum? Das sagt er nicht. Er kann bloß sagen: ״Einen Beweis dafür, daß dieser Deutung die ursprüngliche Bedeutung des Wortes entsprochen habe, besitzen wir nicht.“ Wenn Prof. Kittel für die Erzählungen der Bibel immer erst ״Beweise“ haben will, m. a, W. wenn das ״Es steht geschrieben“ nicht von vorherein wahr ist, sondern erst noch aus anderweitigen Quellen bewiesen werden muß, dann wäre es um die Zuverlässigkeit der biblischen Berichte kläglich bestellt. Wir haben übrigens aus der Schrift des Prof. Kuttel den Eindruck gewonnen, daß er durchaus nicht für alles, was die Bibel berichtet, ״Beweise“ haben will. Es scheinen ihm besonders diejenigen Steilen eo ipso glaubhaft zu sein, welche ein ungünstiges Licht (1 ämlich nach seiner Meinung) auf Gottesmänner wie David, Samuel, Elia zu werfen geeignet sind. Es sieht nun nicht gerade vertrauenerweckend aus, wenn Profi Kittel das eine Mal die Bedeutung des Wortes Jv. für ״sehr dunkel“ erklärt, einige Sätze später aber so tut, als ob die Ableitung des Namens von dem arabischen hawa ziemlich sicher wäre. Aber ehe wir auf diese letztere eingehen, möchten wir unsererseits uns einen ״Beweis“, und zwar einen recht sonnenklaren von Prof. Kittel erbitten, wieso er meint, daß eine auf Grund von mündlichen oder schriftlichen Traditionen verfaßte Geschichte alter Ereignisse von vornherein keinen unbedingten Glauben verdient. Denn das will er doch wohl mit dem verdächtigenden Hinweis andeuten, daß der Verfasser des Verses Exod. 3, 14 (Prof. Kittel weiß das genau) erst im 8. Jahrh. gelebt habe. Man sollte meinendes sei wenn stens nicht unmöglich, daß die vom Verfasser benutzten Traditionen bis auf die mosaische Zeit zurückgingen, und es wäre recht und billig gewesen, wenn Prof. Kittel den Nachweis geliefert oder wenigstens versucht hätte, daß das vom Verfasser benutzte Quellenmaterial begründeten Zweifeln auf seine Glaubwürdigkeit hin ausgesetzt ist. Freilich macht sichrs ein moderner Bibelkritiker in der Regel mit solchem Nachweis ungeheuer leicht. Eine