Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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1g(5 Ein Roman über Krieg und Gotteserkenntnis. In den Voraussetzungen haben wir uns mit Freksa indentifiziert, nicht in den Folgerungen . Die durch den Krieg in uns hervorgerufenen sittlichen Erschütterungen sind die gleichen, doch weltenfern sind seine und unsre Gottesahnungen. Auch wir fühlten das Todesgrauen und das Schicksalsschwere dieses Krieges, auch in uns ward eine Finsternis, ein Zusammenbruch ob all dieses unnennbaren Jammers. Aber gerade inmitten all dieser seelischen Wirrnis und ohnmächtigen Menschenpein wuchs in uns ein Geist der Heiligkeit, festigte sich in uns übermächtig die Gewißheit einer über alle irdische Unzulänglichkeit thronenden und richtenden Gottheit. Vielleicht war niemals die Sehnsucht nach dem Irrationalen, nach dem ewigen, unerschöpfliehen Gedanken des Einzigen Gottes so stark wie in jenen ersten Kriegsmonaten. Und an jedem vollzog sich da eine solche Wandlung zum Positiv-Religiösen. So mancher zweifelsüchtige Rationalist betete damals wie jener Soldat in der Schlacht: 0״ Gott, wenn es einen Gott gibt, rette meine Seele, wenn ich eine habe.“ Aber er glaubte an diese Seele, auch in dem Augenblick, wo er deren Existenz in Zweifel zog. Ist nun allerdings die aus dem Rausch der Verzweiflung, aus der Not der Stunde geborene Gottessehnsucht auch nicht von Dauer für den in Glaubenssachen Leichtfertigen, für den Glaubensstarken ward dieser Krieg und wird dieser Krieg, das hoffen wir, eine Prüfung und Stärkung, eine Quelle der Bereicherung seiner metaphysischen Weltanschauung, ein Wachsen der Ehr* furcht vor dem Unerforschlichen, keineswegs eine Anfechtung und Auflehnung gegen göttlichen Willensentschluß. Das Gefühl des Übersinnlichen und der feiertäglichen Andacht kann und darf nicht so leicht aus dem jetzigen Geschlecht schwinden. Mit Recht sagt Troeltsch *): ״Wir wagten es wieder, den Weltgrund ״Gott“־ zu nennen, mit dem trautesten und höchsten Worte unserer Sprache, und wagten es wieder, Gott zu vertrauen, wo menschlich angesehen die Rechnung schlecht und schwierig stand.“ Dem Satze gegenüber ״Gott ist auf, 1) Die Ideen Ton 1914, Neue Rundschau, Mai 1916 p. 611.