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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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Ein Roman über Krieg ־und Gotteserkenntnis. 195 müdliche Spürsinn deutscher Geschäftsreisenden und die arbeitsame Art der Ausländsdeutschen hat sich den Weltmarkt erobert. Dieser unverwüstliche Handelstrieb gibt dem Verfasser auch den Schlüssel zu der Erkenntnis, warum der Haß der ganzen Welt das deutsche und auch das jüdische Volk verfolge: ״Ein Wort, scharf wie ein kantiger Fliegerpfeil, durchschnitt seine Gedankenbahn, der vor Jahren geschehene Ausspruch eines englischen Freundes: Ihr Deutschen seid in der Welt verhaßt, weil ihr die neuen Juden seid! Durch hebräische Männer wurdet ihr leistungsfähig, durch Genügsamkeit und durch das stete Bereitsein, in die sich auftuenden Lücken einzuspringen“, (p. 232) Schließlich rundet sich das Gespräch zu der Betrachtung: ״Gleiche gewundene Gänge und Stollen, sind in der Seele des deutschen durch jahrhundertelanges Geducktsein und Beiseitestehen entstanden wie in der Seele des Juden. Und die Sehnsucht nach einem geeinten Deutschland, nach einer von Fremden erlösten Heimat, mußte in der Seele der heimatlosen Juden ähnliche Schwingungen hervorrufen. Zwischen 1800 und 1870 haben die Juden die gleichen Gefühle wie die Deutschen gehabt. Sie verstanden die deutschen Schmerzen aus ihrem eignen alten Ahasverschmerze heraus.“ (p. 234). Mit diesem zwar von alldeutschen Gefühlen diktierten jedoch jüdisches Geisteswesen restlos treffend charakterisierenden Urteil dürfen wir uns wohl einverstanden erklären und es als ehrendes Zeugnis für eine gerecht urteilende Zukunft aufbewahren; wir hüten uns wohl, hieran etwas Erweiterndes oder Einschränkendes hinzuzufügen. Ziehen wir die Summe aus den vorstehend skizzierten Hauptgedanken des Werkes, so können wir nicht umhin zu gestehen, daß, so sehr auch die Grundidee manche Schwingungen in unserer Seele erregte, wir als gläubige Juden doch ganz anders empfinden als dieser Dichter. Ein engbegrenzter Zweckgott ist für unser Empfinden schon an sich eine Blasphemie. Wir folgen gerne den Gedankenspuren eines ehrlich ringenden Freidenkers, jedoch behalten wir den kritischen Blick offen. 13*

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