Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292969-2292973--02054-2295318
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Roman über Krieg und Gotteserkenntnis. 191 sittlich-religiösen Höhe herabsinkt (Cornill). Dieser Gott ist keine Personifikation einer zur höchsten Potenz erhobenen Volks־־ energie, sondern ist Allwille. Allvater. Allwirker. Allerbarmer, ,.der da Gnade erweist Tausenden und vergibt Sünde, Frevel und Fehl.“ Versuchen wir jedoch, uns die Gedankengänge des Dichters zu eigen zu machen. Gewiß lag ihm die chauvinistische Absicht ferne, einen engherzigen deutschen National gott zu predigen und dem deutschen Volke als letztes Ideal für die Zukunft hiiisteilen zu wollen. Verstehen wir ihn recht, so war es dem um deutsches Wesen und deutsche Zukunft besorgten Dichter darum zu tun. die folgende Idee herauszuarbeiten: Nur ein Volk, das an einen ihn besonders beschützenden Gott und Stern glaubt, an eine ihm unverrückbar von Gott zugewiesene Aufgabe und deren Verwirklichung unverbrüchlich glaubt, nur ein solches Volk kann im Dienste der Allmenscheit seine höhere Bestimmung erfüllen. Träger und Förderer der großen Menseheitsideen werden und den Aufschwung vom eigensüchtigen Trieb wesen zum selbstverzichtenden Menschheitsbruder in seinen Einzelgliedern erleben. Ein Volk, daß nicht an seinen Gott, an seine spezifische geschichtlich-nationale Eigenberufung glaubt, kann nicht Künder großer Weltharmonien werden. Nur der nationale Geist kann den Weltgeist erzeugen, (vgl. H. Cohen, Deutschtum und Judentum, p. 28). Nur dann wird die deutsche Seele im Falle eines Sieges keinen Schaden nehmen, wenn der Deutsche an seinen Gott, an seine höhere Sendung, an seinen Aufstieg vom Individuell- Materialistischen zum Ideell-Altruistischen gläubig sich hingibt• Nur auf diesem Wege der stolzen Demut vermag das deutsche Volk seiner eigenen gewaltigen Kulturaufgabe, der Verbreitung des Humanitäts-Ideals in der Welt, nachzukommen und den Taumel des Sieges zu überleben. Daß eine solche Grundlage unbeirrbarer nationaler und religiöser Zielbestimmtbeit und Zielstrebigkeit für jedes tüchtige Volk, auch besonders das jüdische, lebensnotwendig ist, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Doch wenden wir uns wieder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.