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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 169 für die Schlacht a war. Mit dieser Trägheit paart sich eine ausgeprägte Neigung zu Ausschweifungen und zur Verschwel!- düng. Auf politischem Gebiete tritt dieser Mangel an Selbstheherrschung in Unbeständigkeit und Wankelmut zu Tage und macht so einerseits die positive Fähigkeit des Führens, andererseits die passive Tugend des Gehorchens unmöglich. Die Polen sind, um die Worte von Georg Brandes anzuwenden der vor kurzer Zeit eben so sehr von den Polen vergöttert wurde, wie die Polen von ihm, die Polen sind starrköpfig, rauflustig und streitsüchtig; sie erkennen kein höheres Gesetz als ihren eignen Willen an. Und abgesehen von alledem sind die Polen, die stolz darauf sind, wenn man sie mit den Franzosen vergleicht, große Freunde -von Schaugeprängen und Außerlichkeiten: ihnen fehlt der feierliche Ernst des Deutschen und die rauhe Gradheit des Russen. Sie neigen dazu, die Form über den Inhalt zu stellen und den Schein der Wirklichkeit vorzuziehen. Diese Charakterzüge, die für das wirtschaftliche Leben nicht weniger verhängnisvoll sind als auf dem Gebiete der Politik, tragen die Hauptverantwortung für die wirtschaftliche und politische Zerrüttung Polens. Sie machen die Tatsache begreiflich, daß das polnische Reich trotz seiner unermeßlichen natürlichen Hilfsquellen eines der hilflosesten Länder der Welt wurde, in dem die einzigen Saaten der Zivilisation von Deutschen und Juden gepflanzt und angebaut wurden. Sie erklären zu gleicher Zeit die Tatsache, daß eines der ältesten pariamen״ tarisch regierten Völker Europas unter den Nationen zum Sprichwort wurde für Gesetzlosigkeit und Mißwirtschaft. Die Früchte dieser verhängnisvollen Charakterzüge traten unmittelbar nach dem Jahre 1572 in die Erscheinung. Die Umwandlung des polnischen Königreiches in eine Republik nach dem Erlöschen des Königsgeschlechts der Jagellonen war die logische Folge der vorangegangenen politischen Ent- Wickelung Polens. Aber die widernatürliche Aufpropfung eines Wahlkönigtums auf einen repubflkanischen Unterbau war nichts als ein Reflex der polnischen Vorliebe für Äußerlichkeiten.

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