Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Die Juden in Rußland und Polen. sie waren zu *äußerster Machtlosigkeit herabgedrückt, so weit die staatlichen Angelegenheiten in Frage kamen. Die Schlachta konnte ihren Grundsatz aufrecht erhalten: l'etat c?est moi. Dieser Prozeß wurde im letzten Teil des sechzehnten Jahrkunderts vollendet, zur selben Zeit, als der Tod des letzten Sprossen der Jagellonen zu dem Triumph der Schlachta über die königliche Macht führte. Der Sieg der Schlachta war ein vollständiger — aber es war ein Pyrrhussieg. Denn die Schlachta besaß keine der Eigenschaften, die das Land in die Lage versetzt hätten, entweder auf die wirtschaftlichen Dienste des Mittelstandes oder auf die politischen Schranken durch die königliche Autorität zu verzichten. Die Wirkungen der Herrschaft der Schlachta. Hier sehen wir uns gewissen charakteristischen Eigentümliehkeiten in der Physiognomie der Schlachta gegenüber, die eben so entscheidend für die Entwickelung Polens als für die Geschichte der polnischen Judenheit waren. Hand in Hand mit manchen bewundernswerten Eigenschaften, die manchen Erscheinungen des polnischen Lebens einen eigentümlichen Reiz verleihen, enthält die Schlachta einen offenbaren Mangel grade der Tugenden, die einen dauernden Erfolg im Wirtschaftliehen und politischen Leben verbürgen. Sicherlich sind Verallgemeinerungen etwas Gehässiges, und niemandhat mehr Grund, sich vor ihnen zu hüten als der Jude, aber alle, die die Vergangenheit Polens erforscht haben und das polnische Leben der Gegenwart beobachten, scheinen einstimmig der gleichen Ansicht hierüber zu sein. Das hervorstechendste Merkmal der Schlachta ist ihre Freiheitsliebe, aber diese liberte ist nicht die Freiheit im Kantischen Sinne, die sich in der Selbstbeschränkung offenbart sondern jene kränkliche Freiheit, die in den erschreckendsten Mangel an Selbstbeherrschung ausartet. Dieser Geist mißverstandener Freiheit, oder richtiger von Zügellosigkeit, zeigt sich in der feindseligen, ja sogar verächtlichen Haltung der Arbeit gegenüber, die durch die Jahrhunderte hindurch charakteristisch