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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 167 fer als die Feindseligkeit gegen den russischen Bedrücker ist, denn im ersteren Falle wird der Haß durch Bewunderung verstärkt, im letzteren ist er durch Verachtung gemildert. Aber die neuen Ansiedler, die, unterstützt durch den Sinn für Ordnung und Disziplin, das Land bald mit einem Netz wohlorganisierter Gemeinden und blühender kaufmännischer Zünfte und Handelsvereinigungen bedeckten, nahmen auch die besten Ansätze, furchtbare politische Rivalen zu werden. Die Schlachta merkte bald die neue Gefakr und erklärte auf der Stelle ihren Gegnern den Krieg. Die tödlichste Waffe in den Händen der Schlachta. die auf wirtschaftlichem Gebiete von den Bürgern mit leichter Mühe überholt worden war, war die gesetzgebende Gewalt des Landtages, die ihnen noch unumschränkt zur Verfügung stand, und mittelst dieser politischen Dampfwalze gelang es ihnen, den politischen Ehrgeiz ihrer Mitbewerber völlig niederzuhalten. Der Landtag des Jahres 1496 bestimmte, daß es keinem Bürger erlaubt sei, außerhalb der Städte Grundstücke zu besitzen, und da Landbesitz die unerläßliche Voraussetzung für den Adelsrang, und der Adelsrang wiederum die unerläßliehe Voraussetzung für die Teilnahme am Landtage war. so hemmte dieses Gesetz ein für allemal den politischen Fortschritt der Bürger. Eine weitere Reihe von Gesetzen, die wirtschaftliche Vorrechte aller Art der Schlachta gewährten, so z. B. Freiheit von Zöllen und Einkommensteuern, und die die ganze Last des Staates den Bürgern aufluden, erdrosselten die wirtschaftliche Entwickelung des Mittelstandes. Schließlich besiegelten die sogenannten Kleiderordnungen, die den Bürgern verboten, sich äußerlich so wie die Schlachta zu tragen, zum Beispiel, die Kleidung eines Adligen anzulegen oder den Bart in der gleichen Art zu scheren, die gesellschaftliche Herabwürdigung des Mittelstandes. Das Ergebnis war. daß die Bürger nun in ihre ursprünglichen Stellungen, in die Städte und Bürgerschaften zurückgedrängt wurden, wo sie weiter ihre alten Vorrechte der Selbstverwaltung ausübten, — eine Tatsache von wesentlicher Bedeutung für die Geschichte der Juden Polens — aber

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