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Jeschurun · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · page 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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166 Die Juden in Rußland und Polen. keit, die man im allgemeinen dem polnischen Adel garnicht zutraut, lag die Schlachta auf der Lauer nach jeder günstigen Gelegenheit, die Macht der Krone zu beschränken und ihr immer größere Vorrechte zu entwinden. Dieses Bestreben wurde so lange in Schach gehalten, als die beiden Königsgeschlechter der Piasten und der Jageilonen auf ihrem Throne festverankert waren. Als jedoch im Jahre 1572 der letzte Sproß der Jageilonen ohne Leibeserben zu hinterlassen starb, trat sie unverzüglich mit ihren Ansprüchen auf. und Polen wurde in eine Republik mit einem Wahlkönig als oberste Spitze verwandelt. Mit andern Worten: der polnische Staat fiel wieder unter die uneingeschränkte Herrschaft der Schlachta, mit einer königlichen Puppe, einem Spielzeug für ihre Hände. Furchtbarer war der andere Rival, der aufstrebende Mittelstand, die städtische Bevölkerung oder die Bürger. Während der vorhergehenden Zeit der Teilungen war Polen durch die politische Zersetzung und die wiederholten Einfälle der Tartaren in eine Wüstenei verwandelt worden. Um dem Lande aus dieser wirtschaftlichen Schwäche aufzuhelfen, begünstigte Wladislaw I, der Wiederhersteller des pol« nischen Königtums, und noch mehr sein großer Sohn Kasimir die Einwanderung deutscher Ansiedler in Polen. Diese Ansiedler, die meistens aus Handelsleuten und Handwerkern bestanden, einem Element, dessen Polen ursprünglich völlig entbehrte, sollten den fehlenden Mittelstand oder den .,tiers etat44 ersetzen. Um die Ankömmlinge gegen die Übergriffe des Adels zu schützen, verlieh ihnen der polnische König das sögenannte ״Magdeburger Statut״, Jas ihnen vollständige Selbst*־ Verwaltung in den von ihnen bewohnten Städten zusicherte. Den deutschen Einwanderern gelang es durch ihre Sparsamkeit und Betriebsamkeit, Wohlstand in das Land zu bringen und seiner Zivilisation ihr Gepräge aufzudrücken. Die Spuren dieser deutschen Einwanderung sind noch heute zu bemerken, nicht nur in dem polnischen Wörterschatz, in dem das eigentliche Wort für Handel eben ״Handel“ ist, sondern auch in dem polnischen Haß gegen alles Deutsche — einem Haß, der noch schär-

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