Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in llußland und Polen. 165 das zweite.“ Diese glühende Freiheitsliebe bewahrte die Schlachta als Ganzes davor, die Herrschaft einer anderen Macht dulden zu müssen, sei es den Einfluß eines anderen Standes oder die Autorität eines Königs, und machte es für ein einzelnes Glied der Schlachta oder den Schlachtschizen unmöglich, ein anderes Mitglied seiner Kaste zu beherrschen. Auf diese Weise schloß Freiheit die absolute Gleichheit der Schlachta in sich, indem jedes Glied derselben bis zum eigentlichen Ende Polens den gleichen Anteil an der Leitung des Staates hatte, wie sie von der Nationalversammlung oder dem ״Sejm“ verkörpert wurde. Diese politische Gleichheit wurde von der gesellschaftlichen Gleichheit oder der Brüderlichkeit begleitet, denn die Schlachta verwarf alle sozialen Unterschiede — die Titel des polnischen Adels sind eine spätere Einführung von außen — * und ihre Mitglieder bezeichneten einander als Brüder, eine Form der Anrede, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. So verwandelte sich die polnische Aristokratie in eine Autokratie; der Staat wurde ein Stand. L^tat c7est moi wirr de im wörtlichen Sinne des Ausspruchs der unverletzliche Grundsatz der Schlachta ׳und ihr Schlachtruf in den beginnenden Kämpfen gegen die beiden Mächte, die in den Wettbewerb mit ihr eintraten und ihr die Autorität streitig zu machen sich unterfingen: die Herrschaft der Könige und die Macht des Mittelstandes. Der Sieg der Schlachta über Königtum und Bürgerschaft. Die Wiederherstellung Polens im Jahre 1306 ließ diese beiden Mächte in die Erscheinung treten. Das polnische Königtum war von seinen frühesten Anfängen an durch die Macht des Parlaments, das von dem Adel beherrscht wurde, konstitutionell beschränkt. Aber die Schlachta, die eben so sehr aus Prinzip wie aus Temperament antimonarchisch war, war gegen das geringste Anzeichen königlicher Einmischung empfindlich. Mit einer Beharrlichkeit und einer Geschicklich-